Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
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Lesfings Briefe. 1772.

trifft ohnedem nicht ein; und ich habe Ihnen sicherlich mehr als drey«ma geschrieben. Daß aber meine Briefe meistentheils später eingehen,als sie eingehen sollten, kömmt vielleicht daher, daß ich sie erst nachBraunschweig senden, und da auf die Post geben muß. Wenn siedenn nicht gleich daselbst abgegeben werden, so bleiben sie bis zumfolgenden Posttage liegen.

Nun denn, meine Liebe, einer guten Sache kann man nicht zuviel thun. Empfangen Sie nochmals meinen zärtlichsten, aufrichtig-sten Dank für den zwar stummen und todten, aber für mich dochsehr unterhaltenden, besten, liebsten Gesellschafter in meiner Wölfen-büttelschen Einsamkeit. Ach, wenn Sie wissen, was ich wünsche!

Eben da ich mich hinsetzen,, und den Brief an G. schließen will,werde ich auf die unvermeidlichste Art daran verhindert. Ich lasseihn also bis auf den nächsten Posttag; aber diesen Brief sende ichab. Um so eher mnß ich, und will ich auch Ihnen wieder schreiben.Entschuldigen Sie mich indeß bey ihm, wenn er gelegentlich meineAntwort schon längst erwartet zu haben äußern sollte. Was ich sonstwünschte, daß Sie meinetwegen mit ihm sprechen möchten, weiß ichselbst kaum. Denn von dem Manne, der Riedeln anhilft, möchte ichmich nicht gern empfohlen oder angebracht wissen. Ist es wahr,daß der alle van Swictcn, wo nicht schon todt ist, doch auf denTod liegt? Mich dünkt, daß sein Tod auch hier und da etwas ver-ändern dürfte.

Apropos bey Gelegenheit eines Abgehenden Hat manIhnen schon aus Hamburg gemeldet, daß die G . . . nun einmal inallem Ernste guter Hofnung ist?

Und das nenne ich doch einen Brief! lang, überflüssig; aberfreylich leider kaum zu lesen. Ich will Sie mit Rathen und Buch-stabiren nicht länger martern, und mich Ihnen empfehlen. Leben Sierecht wohl, meine Liebe. Möchten Sie doch barmherzig genug gegenmich gewesen seyn, und an mich geschrieben haben, noch ehe dieserBrief in Ihre Hände kömmt! Ich bin mit ganzer Seele auf immer

der IhrigeL.