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LcssingS Briefe, 1773.
Gott weiß, ich bin schlechterdings unfähig Ihnen inchr zu schrei-ben: so voll habe ich den Kopf, und so voll von den verdrießlichfieii fingen.
Wenn Sie jemals, wie ich iiiir schmeicheln darf, Freundschaftfür mich empfunden haben: so lassen Sie mich es ja bald höre»,daß Sie deren noch empfinden, und mich bedauern.
Möchte es Ihnen doch nur wenigstens wohl gehen! das ist deruneigennützigste Wunsch, schmeichle ich mir, den jemals ein Freundgethan hat. t?S gehe mir, wie es gehe: ich werde nie aufhören kön-nen, Sie hochzuschätzen und zu liehen.
Dero
ganz ergebenster
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An Karl bi. Lcss.nq.
Wolfenbüttel , den L. April 177^.
Mein lieber Bruder,
Du bist hoffentlich, ungeachtet meines abermaligen lange» Still-schweigens, übcrjeugt, daß ich Dich liebe, und an Deinem letzten Un-fall recht sehr viel Theil genommen. Ich danke Dir von ganzemHerzen, daß Du mir nicht eher etwas davon gemeldet, als bis DuDich völlig außer Gefahr befandest. Ich konnte doch also wenigstenswieder einmal froh seyn; und auch das ist schon Vergnügen für einen,der sonst von keinem weiß.
Du siehest nun wohl, daß mein Stillschweigen »och immer dienehmliche Ursache hat. Ich bin ärgerlich und arbeite, weil Arbeitendoch das einzige Mittel ist, um einmal aufzuhören, jenes zu sey».Aber Du und Herr Loß, Ihr irret euch sehr, wenn Ihr glaubt, daßes mir bey solchen Umständen ja wohl gleichgültig seyn könne, wasich arbeite. Nichts weniger: weder in Ansehung der Arbeit, nochin Ansehung der vornehmsten Absicht, warum ich arbeite. Ich binin meinem Leben schon in sehr elenden Umsiändcn gewesen, ahcr dochnoch nie in solchen, wo ich im eigentlichen Verstände um Brodt ge-schrieben hätte. Ich habe meine Beyträge bloß darum cingcsangcn,weil diese Arbeit fördert, indem ich nur einen Wisch nach dem andernin die Druckercy schicken darf, und ich doch dafür von Feit zu Zeitei» Paar LouiSd'or bekomme, um von einem Tage zum andern zuleben. Wenn Du nicht begreifen kannst, wie ei» Mensch, der dochjährlich liW Thaler hat, in so kümmerlichen Umständen seyn kann: