Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
Seite
409
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Lessings Briefe. 1774.

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mir müssen nicht die zuverlässigsten seyn, vin deutsches Lexikon zu-sammen zu schreiben, diesen albernen Gedanken habe ich lange aufge-geben; und ich würde ihn nun wohl am wenigsten wieder hcrvorsu-chen, da ich ihn taliter liualiter von einem Andern ausgeführt sehe.Aus diesem laliter <zu!»Iitoi- wirst Tu indeß abnehmen, daß ich mitAdelungs Arbeit nicht ganz zufrieden bin. Was ich daran auszusetzenhabe, sollst Du ehestens weitläustig zu lesen bekommen. Denn ich binwirklich Willens etwas darüber drucken zu lassen, und eine kleineProbe beyzufügen, wie ungefähr meine Arbeit in diesem Felde auS-gesehn haben würde. Das ist eS, was mich eigentlich eine Zeit herbeschäftigt hat; und ich müßte, meinem ersten Anschlage nach, auchschon damit fertig seyn, wenn es mir nicht schlechterdings unmöglichwäre, in einem Striche an der nehmlichen Sache zu arbeiten. Dieöftere Abänderung der Arbeit ist noch das Einzige, was mich erhält.Freylich wird so viel angefangen und wenig vollendet. Aber wasschadet das? Wenn ich auch nichts in meinem Leben mehr vollendete,ja nie etwas vollendet hätte: wäre es nicht eben das? Vielleichtwirst Tu auch diese Gesinnung ein wenig misanthropisch finden, wel-ches Du mich in Ansehung der Religion zu seyn im Verdacht hast.Ohne nun aber zu untersuchen, wie viel oder wie wenig ich mit mei-ne» Rcbcnmenschen zufrieden zu seyn Ursache habe, muß ich Tir dochsagen, daß Du Tir hierin wahrlich eine ganz falsche Idee von mirmachst, und mein ganzes Betragen in Ansehung der Orthodoxie sehrunrecht verstehst. Ich sollte eS der Welt mißgönnen, daß man siemehr aufzuklären suche? Ich sollte es nicht von Herzen wünschen, daßein jeder über die Religion vernünftig denken möge? Ich würde michverabscheuen, wenn ich selbst bey meinen Sudeleyen einen andernZweck hätte, als jene große Absichten befördern zu helfen. Laß miraber doch nur meine eigne Art, wie ich dieses thun zu können glaube.Und was ist simpler als diese Art? Nicht das unreine Wasser, wtl«chcs längst nicht mehr zu brauchen, will ich beybehalten wissen: ichwill eS nur nicht eher weggegossen wissen, als bis man weiß, woherreineres zu nehmen; ich will nur nicht, daß man eS ohne Bedenkenweggieße, und sollte man auch das Kind hernach in Mistjauche baden.Und was ist sie anders, unsere neumodische Theologie, gegen die Or-thodoxie, als Mistjauche gegen unreines Wasser?

Mit der Orthodoxie war mau, Gott sey Dank, ziemlich zu Rande;man hatte zwischen ihr und der Philosophie eine Scheidewand gezo-gen, hinter welcher eine jede ihren Weg fortgehen konnte, ohne dieandere zu hindern. Aber was thut man nun? Mau reißt diese