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12 (1840)
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LessingS Briefe. 1774.

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sey». Aber K- hat auch an ihm gehandelt wie wie K. Waskann ich SchlimmerS sagen?

Der Staatsrath von Gebler hat mir seine neue Tragödie nichtgeschickt. Und vermuthlich wird er mir sie auch nickt schicken, weilich ihm auf solche Geschenke den Dank schuldig zu bleiben pflege. S-mag es immer wissen, wie ich von ihm denke; in ich habe Müllernsogar gebeten, es jedermann zu sagen, wie ich von ihm denke. Es istmir sehr lieb, daß er es gethan hat.

Unsere neu verheyrathetcn Freunde verhalten sich, wie Sie wohlerrathen können. E. und Z. sehr unthätig, aber der K. K . - . gehtmit seiner Frau, die guter Hofnung ist, morgen auf seine Güter nachSachsen, wo sie niederkommen soll, und er wenigstens sechs Monatebleiben wird. Auch 'icses, daß ich ihn nicht mehr in Braunschwcigweiß, ist mir sehr unangenehm. Ich verliere an ihm den einzigenFreund, gegen den ich mich wenigstens auSlasscn konnte.

Nun leben Sie recht wohl, meine Liebe,- und lassen Sie mich eSbald wieder wissen, daß doch wenigstens noch eine Seele auf der Weltlebt, der ich nicht gleichgültig bin. Ich bin

ganz der Ihrige

_ L.

An Karl G. Lcsstiig.

Wolfcnbüttcl, den 20stcn April 1774.

Mein lieber Bruder,

Du hast mir ein großes Vergnügen nur gewiesen. ES thut mirleid, und thut mir auch um Deinetwillen leid, wenn Du mir cS nurweisen können. Aber so ist cS nun einmal in der Welt! Das zahmePferd wird im Stalle gefüttert, und muß dienen: das wilde in seinerWüste ist frcv, verkömmt aber vor Hunger und Elend.

Dazu muß ich Dir leider sagen, daß, wenn ich es nicht möglichmachen kann, Dich diesen Sommer in Berlin zu sehen, Deine Hoff-nung, mich künftigen Sommer hier zu besuchen, allein Anschein nach,vergebens ist. Schlechterdings will ich, in der elenden Lage, in derich mich hier befinde, kein Jahr länger aushalten, cS komme wohines wolle. Der Unbeständigkeit dürfen mich meine Freunde darum nichtbeschuldigen. Es ist nie mein Wille gewesen, an einem Orte, wieWolfenbüttcl, von allem Umgänge, wie ich ihn brauche, entfernt,Zeit meines Lebens Bücher zu hüten. Morgen thue ich das schonvier Jahre; und da ich es nur allzu sehr empfinde, wie viel trockncr