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Gesund werden Sie mich finden, und gesunder/ als ich leider! vermu-then darf, Sie zu finden: ich scheine also auch meinen Bekannten sovergnügt, als man nur seyn kann. Aber Gott gebe, daß sie nichteinmal sagen mögen: wir haben uns schrecklich mit ihm betrogen. Soweit bin ich schon, daß ich sehe, alle mein Kummer, alle meine Be-mühung, mich aus den verwünschten Umständen zu setzen, ist verge-bens. So geschehe denn, was geschehen soll! Entziehen Sie mir nur,meine Liebe, ihre gute Meynung nicht- und wenn ich das nehmlicheauch noch von einigen andern Personen, die ich schätze und liebe,hoffen darf: so bin ich zu allem sehr gefaßt. —
Nun leben Sie von einem Tage zum andern immer vergnügterund gesünder. DaS schlimmste ist überstanden. Aber Sie melden esmir doch noch, wenn Sie hier durchzukommen gedenken! sonst könntees leicht kommen, daß ich abwesend wäre.
Ihr
ganz ergebensterL-
Braunschweig , den 14. Jan. 1775.
Mein lieber Bruder,
Ich schreibe dieses, um Dir voraus zu melden, daß ich bald dasVergnügen haben werde, Dich zu sehen. — Ich befinde mich seitvierzehn Tagen in Braunschwcig, tn einer höchst unangenehmen Lage,so daß ich mir durchaus durch irgend einen gewaltsamen Schritt an-derwärts Luft machen muß, wenn ich hier im Schlamme nicht erstickensoll. — Längstens in vierzehn Tagen reise ich also von hier nach Leip-zig; ob ich von da aus erst nach Dresden gehe, oder erst nach Berlin komme, kann ich noch nicht sagen. — Aber in vier Wochen haben wiruns gewiß gesprochen. Sage Herrn Voß, daß ich ihm das Versprochenezum Theil mitbringe, und selbst die Einrichtung von dem Drucke ma-chen will. — UebrigcnS fürchte nicht, lieber Bruder, daß ich Dir aufirgend eine Weise lange übcrlästig seyn werde. — Nur in einem Wirths-hanse möchte ich nicht gern logiren. Besorge mir also auf acht oderzwölf Tage ein kleines LogiS. Bis dahin lebe wohl!
Du kannst mir noch »ach Wolfcnbüttcl antworten.