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LcssiiigS Briefe. 177.^
An Wicland.")
Da ich morgen über Leipzig nach Berlin verreisen muß- so ist cSmir sehr lieb, daß ich Ihren Brief, liebster Wicland, noch eben er-halte», um den Auftrag Ihres Freundes besorge» zu können. Hierist meine Antwort an ihn.
Auf alles übrige erlauben Sie mir, Ihnen von Berlin aus zuantworten, wo ich mich einige Wochen aufzuhalten, und eine ruhigeund heitere Stunde zu finden gedenke, die nur hier seit langer Zeitabgegangen. Vor izt nur so viel.
Recht gut, daß es Ihnen von Zeit zu Zeit ein Dritter sagt, wiesehr ich Sie verehre. Ganz gewiß fehlt zur vertrauteste» Freundschaftuttter u»§, nichts als persönlicher Umgang. Blos schriftlicher willes nicht thun, welcher auch kaum zu der nähern Verbindung zureichendürfte, zu welcher Sie mich einladen-
Aber, liebster Wicland, haben Sie cS auch bedacht? Ich an Ih-rem Merkur Antheil nehmen? Je zufriedener ich damit bin, destoweniger kann ich mich dazu verstehen, ohne ihn in meinen eigenenAugen herab zu setzen. WaS für Beiträge erwarten Sie von mir?Arbeiten des Genies? Alles Genie haben izt gewisse Leute in Beschlaggenommen, mit welchen ich mich nicht gern auf einem Wege möchtefinden lassen. Litterarische Beiträge? Wer wird die lesen wollen?
Wie gesagt, aus Berlin ein MchrcrcS! — Bleiben Sie meinFreund, liebster Wicland. Ich kann nie aufhören, der Ihrige zu sevn.Wolfcnbüttel den 8. Febr. 1775. Lcßing.
An Madame König.
Meine Liebe!
Die Nachricht von Ihrer Krankheit würde mich unendlich beun--ruhigct haben, wenn Sie mir nicht zugleich Ihre Hofnung gemeldethätten. Hat cS also mit dieser seine Richtigkeit: so ist es ein Glückfür mich, daß jene sich eben jetzt eingestellt hat. Denn wenn Sie beyvölliger Gesundheit Ihre Rückreise bereits angetreten hätten: so würdeich Sie, allen. Ansehen nach, verfehlt haben, welches mir nun wohl
") Aus dem Genius der Zeit, hcrausg. von Aug. Hennings, Bd in(Mona, December 17S4), S. LZ8.