Druckschrift 
12 (1840)
Entstehung
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427
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LessingS Briefe. 1775.

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nicht arriviren soll. Wie Sie sehen, schreibe ich Ihnen dieses nehm-lich aus Berlin , wo ich nur noch einige Tage bleibe, um von da nachDreßdcn zu gehen, wo ich mich ebenfalls höchstens acht Tage aufhal-ten werde. Und wo mcvncn Sie, daß ich alSdcnn hinzugehen gedenke?Wenn Sie nur noch vier Wochen in Wien bleiben: so habe ich dasVergnügen, Sie in Wien zu sehen. Oder vielmehr: ich bitte Sie,meine Liebe, da Sie sich so lange in Wien aufgehalten haben, daßSie sich mir zu Liebe, auch noch diese kurze Zeit daselbst verweilenwollen. Indeß schreibe ich Ihnen, um Sie völlig von meinerSeite zu beruhigen von dieser abentheucrlichcn Reise jetzt nur so-viel, daß ich eigentlich noch immer in Wolfcnbüttel bin, und auchwürklich wieder dahin zurück zu kehren gedenke, und daß ich also inWien nichts suche, was Sie im geringsten meinetwegen verlegen ma-chen könnte. Ich bringe von dem hiesigen kaiserlichen Gesandten, demHerrn von Swicten, zwar eine Menge Empfehlungsschreiben mit: aberich habe eS ihm auch schon selbst erkläret, daß ich einen nur ganz ge-meinen Gebrauch davon zu machen gedächte, indem er versichert sevnkönnte, daß mich nichts als meine particulären Angelegenheiten dahinzögen. Und nun habe ich keine Zeit, Ihnen auch nur ein Wortmehr zu schreiben. Aber von Dresden aus, schreibe ich Ihnen zuver-lässig noch einmal, und will allda noch eine Antwort von Ihnen er-warten, die ich Sie in die Walthcrsche Buchhandlung zu addressircnbitte. In vierzehn Tagen, meyne ich, kann diese Ihre Antwort dortseyn, und so lange wenigstens wird es doch noch wohl dauern, eheich mich auf den Weg nach Wien machen kann. Wie sehr ich michfreue, Sie endlich wieder zu sehn, meine Liebe, brauche ich Ihnennicht zu sagen. Gott gebe nur, daß ich Sie recht gesund finde! Ichumarme Sie auf das innigste, und bin Zeitlebens, wie cS auch immermit mir werden mag, einzig

der IhrigeL.

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