LessingS Briefe. 1776.
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lassen, als bis alles daselbst scinethalben rcguliret ist. Und das hatman nun davon, wenn man sich mit Prinzen abgiebt! Man kann nie-mals auf etwas gewisses mit ihnen rechnen, und wenn sie einen ein-mal in ihren Klauen haben, so muß man wohl aushalten, man magwollen oder nicht.
Wenn Sie also nicht länger in Heidelberg bleiben wollen, alsSie mir schreiben — (Ihren Brief vom 2. April habe ich erst hierin Venedig erhalten) so bleibt mir nichts übrig, als daß ich Siegleich nach meiner Zurückkunft in Hamburg wieder aufsuche. Gott gebe nur, daß sich alles andre so schickt, als ich es zu unsrer beyderBesten wünsche!
Darin haben Sie vollkommen recht, daß auf die Länge Wolfen-büttel mehr mein Ort ist, als jeder andrer, und daß mittelmäßigeUmstände in Wolfenbüttcl für uns beyde vorthcilhafter seyn werden,als noch so glänzende in Wien , oder anderwärts. Ganz gewiß werdeich auch also alles darauf anlegen, um in Wolfenbüttel zu bleiben.Nur auf den Fuß, wie ich bisher gewesen, kann ich es unmöglich.Daher ich denn auch, blos in dieser Rücksicht, nicht alles so gar weitvon mir werfen werde, was man etwa in Wien mir antragen möchte.Antragen sage ich, denn anbieten werde ich mich gewiß nicht, sondernin allen Stücken mich so daselbst zu betragen fortfahren, als ich ein-mal angefangen.
Daß ich den rechtschaffnen Haen nicht noch besucht, habe ich mirschon mehr als einmal vorgeworfen. Ich will es aber gewiß wiedergut zu machen suchen, und bey meiner Zurückkunft mir seine Bekannt-schaft angelegen seyn lassen. Auch dem Baron D. will ich mich durchseinen Schwager aufführen lassen, da Sie ihm Verbindlichkeiten zuhaben versichern.
Einer von meinen ersten Gängen hier in Venedig ist nach St.Christoforo gewesen, um zu sehn, wo »iiser Freund ruht, und seinemAndenken auf seinem Grabe, eine aufrichtige Thräne zu schenken. Dernehmliche Mann, in dessen Armen er gestorben, hat mich herausge-bracht, von welchem ich dann auch die gewisse Versicherung erhalten,daß cS mit seinem Tode sehr natürlich zugegangen. Ich weiß, daßSie einmal nicht ohne Argwohn waren, und dcßfallS ruhig zu scvnwünschten. Das können Sie nun. Wegen eines kleinen Denkmals,das Sie auf sein Grab noch müssen sehen lassen, mündlich ein mchrcreS.
Meinen Brief aus Mavland, hoffe ich, werden Sie erhalten ha-ben, und vermuthlich noch in Wien. Gott gebe, daß Sie dieser nir-gend anders, als in Hamburg findet, in Gesundheit und Ruhe unter