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Lesstngs Briefe. 1777.
nen lernen. Sie reiset also erpreß deswegen — so wie aller übrigenWunderdinge wegen, die Halter in Berlin seyn sollen, — nach demgroßen Berlin , und ich gebe ihr ein Bricfchen an Hrn. Nicolai mit,dem ich ohnedies zu antworten habe, und so wird sich das Dingwohl machen lassen.
Ich danke Ihnen, mein lieber Nicolai, für die übermachte Nach-richt aus Paris . Sie ist gerade so, wie ich mir sie von daher ver-muthete; so höflich, als kahl. Ich will aber doch wahrlich nichtglauben, daß Sie dadurch verführt, oder auch nur irre gemacht sind,und daß Sie in Crnst glauben, daß ich nunmehr nur noch zu erwei-sen hatte, daß mein Theophilus vor Johann von Cyck gelebt habe?ES wäre eben, als wenn Sie in Ihrer Beschreibung von Berlin nocherst beweisen müßten, daß die Nicolaikirche wirklich älter sey, als derjetzige Dom. Mimen Ihre Leser nicht die Augen aufsperren?
Von wegen der Nationalschaubühne hätte Ihnen einfallen sol-len, was Christus von den falschen Propheten sagt, die sich am Endeder Tage für ihn ausgeben würden: „So alsdann jemand zu euchsagt, hier ist Christus oder da, so sollt ihr es nicht glauben. Wer-„den sie zu cuch sagen, siehe, er ist in Wien , so glaubt eS nicht!„siehe er ist in der Pfalz, so gehet nicht hinaus!" Wenigstens, wennmir dieser Spruch zur rechten Zeit bcygcfallen wäre, so sollte ich nochnach Manheim kommen. Dieses ist alles, was ich Ihnen vonder Sache sagen kann und mag, mit der ich mich lieber gar nichtabgegeben hätte.
Ihr Almanach von Volksliedern hat in meinen Augen einen gro-ßen Fehler: diesen, daß Sie nicht bey jedem Liede angegeben haben,woher es genommen; ob aus einer Handschrift, oder ans einem ge-druckten Buche, oder aus mündlicher Ueberlieferung. Zu der ernsthaf-ten Absicht, die diese Schnurre haben soll, hätte dieses nothwendiggeschehen müssen; und mir thu» Sie einen lLefallen, wenn Sie mirein vxemplar schicken wollen, dem die Quellen beygeschrieben sind.Sodann will ich sehen, was ich für Sie thu» kann. Nur die fran-zösische und italiänische Strophe, von Jungfer Lieschens Rnie,ist auch mir entfallen. Der Anfang der Deutsche» heißt aber ei-gentlich:')
°) Gelehrten Licdcrforscher» zu gefallen, will ich dieses deutsche Schient,pcrlicd, mit Lcssuigs Uebersetzung in verschiedene Sprache» mitlhcilc», soweit sie »och vorhanden sind. Das deutsche Original lalltet also nach Lcssingskritischer Verbesserung folgciidcrgcstalt: