LesstngS Briefe. 1777.
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die antiquarischen Briefe noch erst ein Buch werden können. Wissen Sie,was ich Ihnen folglich rathe? Lassen Sie fürs erste beyde Theile die-ser Briefe zusammen drucken, welches einen mäßigen Band in großOctav machen wurde. Ich will eine knrje Vorrede dazu schreiben, inwelcher ich mich über die Fortsetzung erkläre, und Sie können rerl-chert seyn, daß diese Forlsetzung eine meiner ersten Arbeiten seyn sol/,so bald ich von jener frey bin.
Hiermit leben Sie für diesmal wohl, und bleiben Sie meinFreund.
Der Ihrige,Lessing.
An Karl G. Lcssing.
Wolfcnbüttel, den S0. Septbr, 1777.
Mein lieber Binder,
In Deinem letzten Briefe lobtest Tu mich, weil Tu zwey Briefehinter einander von mir erbaltcn hattest. — Siehst Tu wohl, wieviel das Lob bey mir wirkt? Ich schreibe Dir dafür in einem Vier-teljahre nicht wieder. Zwar eine vier Wochen früher hätte ich Dirdoch wohl geschrieben, wenn ich nicht zur nehmlichen Zeit erfahrenhätte, daß Tu abwesend mit S ° ° ° in BreSlau auf Commissionwärest, Ohne Zweifel wirst Du nun wieder zurück seyn; und ich darfDich fragen, nicht was Deine Commission betroffen, sondern wie esDir in Breslan gefallen? ob Du einige von meinen alten Freundenund Bekannten daselbst kennen lernen? ob Du meinen allen ehrlichenTaucnjien gesprochen? ob Dir der ungarische Wein geschmeckt? ob Ko-mödie da ist, und dergleichen.
Während Deiner Abwesenheit ist Deine Schwiegermutter wohl ge-storben. Das muß Dir freylich Deine Zurückkunft weniger angenehmgemacht haben. Wäre es aber auch nur wegen des ehrlichen Voß,dem dieses Creigniß sehr nahe zu gehen scheint. Melde mir doch, so-bald Du kannst, was er macht, und wie er sich in seinem verlassenenZustande befindet.
Zugleich melde mir doch auch, wo Du jetzt wohnest, wann dieOper instehenden Winter angeht, und ob in Deiner Nachbarschaftwohl ein kleines Quartier für eine einzelne Person auf einen Monathzu miethen ist. Denn ich will Dir sagen, daß ich gern meinen älte-sten Sliefsohn — einen jungen Menschen von neunzehn Jahren, der