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Lesfings Briefe. 1777. 496
ich Urlaub erhalte." Als ob mau Dir den versage» würde! — Meinlieber Bruder, nun mußt Du gewiß kommen, und Dich keine bloßeBrdenklichkcitcn abhalten lassen. Und wenn Du doch auch Deine liebeFrau mitbringen könntest! Doch die Ursache, wenn ich recht rathe,warum sie nicht mitkommen kann, ist zu schon, als daß ich michnicht auch darüber freuen sollte. — ein Vertrauen hiernächst erfordertdas andere. Auch ich konnte meine Frau nicht mitbringen, wenn ichDich zwischen hier und Wcyhnachtcn besuchen wollte und müßte. Siefreuet sich übrigens eben so sehr, als ich mich nur immer freuen kann,Deine Bekanntschaft zu erneuern. Jeder in meinem ganzen Hauseerwartet Dich mit sehnlichem Verlangen. Nur wegen eines muß ichbey Dir zuvorkommen. Wir werden Dich jetzt nicht so gut logirenkönnen, als wir gern wollten. Noch wohne ich zur Miethe, und vorEnde des Novembers werde ich schwerlich das neue Haus beziehen,das mir der Herzog angewiesen, seitdem ich nicht mehr auf dem Schlossewohnen kann. Du wirst selbst sehen, und was nicht so ist, wie esseyn sollte, bestens entschuldigen.
Daß Du mit unserm MoseS kömmst, freuet wich ebenfalls nichtwenig. Nur macht mich diese Gesellschaft fürchten, daß Du eben nichtsehr lange bleiben wirst.
Aber ich bekomme doch noch einen Brief von Dir, in welchemDu mir meldest, wenn Du abreisest, und welchen Tag Du in Braun^schweig einzutreffen gedenkest, damit ich Dich daselbst abholen kann?Das ist höchst nöthig. Vergiß nicht.
Auch muß ich Dich noch um einen kleinen Weibcrkram bitten.Meine Frau glaubt, da sie in Berlin so schöne Federn haben, daßsie daselbst auch schöne Florblumeu haben müssen. Sey doch also sogut, und bringe mir von den kleinen drey BouauetS mit: ein weißes,ein blaues und ein lilafarbnes; desgleichen zwey von den platten Fe-dern, eine schwarze und eine puce. Weiß ich doch kaum, wie ichdas letzte Wort schreiben soll. Ich erstatte Dir die Auslage mit Dank.
Und nun, glückliche Reise, mein lieber Bruder! glückliche Reise!Wir empfehlen uns Beyde Euch Beyden.
Gotthold.
Den 27. November 1777.
Sie erzeigen mir eine wahre Wohlthat, daß Sie mich vor einerneuen Zerstreuung bewahren wollen. — Also trete ich Ihnen alles
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