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Lessinas Briefe. 1780.
Wir umarmen Dich insgesammt; und ich verbleibe Dein treuerVater
Braunschwcig Lcsfing.den 17 August. 80.
?. 8. Madam Daveson, die Dich grüssen laßt, hat gestern unsereMesse gemacht, und hoffentlich sollst Du alles nach Verlangen finden.
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An Elise Rcimarus.-,
So sehr ich nach Hause geeilt: so ungern bin ich angekommen.Denn das Erste, waS ich fand, war ich selbst.
Und mit diesem Unwillen gegen mich selbst soll ich anfangen, ge-sund zu seyn und zu arbeiten?
„Freylich! höre ich meine Freunde mir nachrufen „denn ein Mann,wie Sie, kann alles, was er will."
Aber, lieben Freunde, wenn das nur etwas anders hiesse, als:kann alles, was er kann. Und ob ich dieses Können jemals wiederfühlen werde: das, das ist die Frage!
Was taugt zwar unversucht? — Nun denn, meine liebe Freun-dinn; weil Sie mir cS auch rathen: so sey eS.
Ich werde Ihnen von meinem Befinden von acht zu acht Tagensehr regelmässig Nachricht geben. Und wenn ich das thue; nicht wahr:so ist mir schon halb gcholffcn?
Indeß empfehle ich mich allen den Ihrigen und dem gesammtcnCampischen Hause bestens. —
Wer in dieser Gesellschaft hätte bleiben können! Wer aus dieserGesellschaft nur einen einzigen hier hätte! ^
An Elise Rcimarus.Meine liebe Freundin,
Ehe ich gestern Ihre Antwort erhielt, besorgte ich schon, daß Siesich die wöchentlichen Berichte verbitten würden. Heute, den Morgendarauf, erkenne ich diese Besorgniß für den hypochondrischsten Einfall,der mir seit langer Zeit durch den Kopf gegangen, und bin um weiternichts verlegen, als um den Anfang des Berichts.
Nun der Anfang ist ja wohl in jeder Sache indifferent. Ost ister um so viel besser, je indifferenter er ist. — Ich bin zur Zeit wederwohlcr noch schlimmer, als ich in meinen guten Stunden in Hamburg