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Briefe an Lcsstng. l75'>.
selbst gesteht, gehabt, von welcher er aber in reifern Jahren abge-gangen ist.
Was macht unser rechtschaffne Herr v. Breitenbauch?°) Werden wirhu bald wieder zu sehen bekommen? Wenn er doch den Pr. Gottsched
*) Der Herr Kammcrrath von Brcltcnbanch, welcher zu Buch« im Al-lcnburgischcn noch lebt, und durch verschiedene Schriften bekannt ist, wardamals als ei» junger Mann ein vertrauter Freund Lcssings. Er hielt sichverschiedene Jahre in Berlin auf, und liebte die Künste, zeichnete und radirtcrecht artig. Ungefähr zu Ende des Jahrs 1766, oder zu Anfange des Jahrs1757, wollte ich mit Lcsstng gemeinschaftlich ein burleskes Heldengedicht aufGottsched und auf "die Sicimcr aus seiner Schule machen, die Poeten heißenwollten. Lessiug hatte den Plan gemacht; jeder von uns setzte eine komischeScene hinzu, wie sie ihm etwa einfiel, und ich »ahm es aus mich, ihn inKnittelversen auszuführen, wovon vielleicht unter meine» alten Papiere» nochein Paar Böge» liegen mögen. Die Idee war ungefähr folgende: (Ichwill sie anführen, weil es doch ein Lcssittgischer / obgleich jugendlicher, Planist.) Gottsched ist sehr ergrimmt, daß durch Klopstock so viel Seraphe undEngel in die Welt gekommen sind, durch welche er und seine Poesie verfolgtund aus Deutschland vertrieben werden solle». Er reitet also aus, gerüstetwie ein fahrender Ritter, niit einem seiner damals bekannten Jünger, alsSchildknappen, um diese Ungeheuer zu zerstören. Aus diesem Zuge begegne»ihnen viele lächerliche Abcinhcucr. Zuletzt konimen sie »ach Langciisalzc,gerade zu der Zeit, da daselbst das Gregoriusfest gescpcrt wird. Gott-sched sieht die als Engel ausgekleideten Kinder für Klopstockijchc Seraphean, und beschließt sogleich, auf diese seine Feinde mit Schwert und Lanzeden Angriff zu thun. Die ganze Stadt kommt in Aufrubr über den Angriffauf die Kinder. Man glaubt, jene wären vom böse» Feinde besessen, der siezu dem Unfugc triebe, die Engel verfolge» zu wollen. Gottsched und sei»Gefährte werde» ins Gefängniß gesetzt; es wird über sie Gericht gehalten,und sie werden verdammt, als Hcrcnmrisicr verbrämn zu werden. Im Ge-fängnisse wird ihnen ein Prediger geschickt, sie zum Tode zu bereiten. Esfindet sich, daß dieser ei» großer Verehrer des Messias ist; und als er diewahre Ursache erfährt, warum sie auf Abcnthcucr ausgegangen sind, gcräther in solche» Eifer, daß er sie ohne fernern Besuch will sterben lassen. Glück-licher Weise kommt Klopstock selbst nach Langciisalzc, um seine Kousinc Faiinvwieder zu sehen. Er Hort von der Geschichte, und geht sogleich hin, nniGottsched und dcssen Schildknappen zu bcfrcve». Er stellt dem Richter vor,daß diese Leute den Seraphen gar nichts schaden konnte», u»d daß sie nichtsweniger als Hcrcnmcister wären. Dabcv stellt er vor: sie zu verbrenne»,würde ganz unmöglich seyn; denn sie wäre» dermaßen aus lauter wässcrichlc»Theilen zusammen gesetzt, daß durch sie auch der größte Scheiterhaufen würdeauegelüscht werden. Der Richter schenkt den Gefangenen aus Achtung gegenKlopstock das Lebe»; doch, sagt er, müsse gesorgt werden, stc in sichere Wer-