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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe .111 Lessing. 175K^

hätte, wie sie der Dichter brauchet. Jedoch bin ich nicht ein we-nig unbesonnen, daß ich Ihnen mein Urtheil über ei» Gedicht schreibe?Gehört denn dieses unter die Sachen, die Sie von mir zu wissenverlangen? Leben Sie also wohl, weil ich doch nichts wichtigeres zuschreiben weiß, und bleiben beständig mein Freund, so wie ich unauf-hörlich der Ihrige bin.

Moses.

Berlin , d. 3t. August 1756.

Liebster Freund,

Da Sie verlangen, daß ich Ihr Schreiben nach Amsterdam be-antworten soll, so wird dies hoffentlich so zu verstehen seyn, daß Siedrey Wochen nach dem 28. Julius noch in Amsterdam seyn wollen;das ist, wie Sie wissen, ungefähr die Frist, in der man an die Aut-wort auf einen Brief denken kann. Ich habe den Sommer im Gar-ten, mit der Bibliothek, mit gelehrten Neuigkeiten nach Frankreich "),mit Hrn. MoseS, mit Musik, mit Faulheit, und wer weiß womitmehr, zugebracht. Erstem habe ich den Garte » verlassen, und heutefällt mir ein, daß ich ei» Buchhändler bin, und daß ein Buchhändlerseine Briefe beantworten muß; ich beantworte also aber vorhermuß ich noch ein wenig zanken.

Ich bin sehr übel mit Ihnen zufrieden, daß Sie es an Prof.Eellerr gesagt haben, daß ich der Verfasser der Bibliothek bi» °°); eskann es sonst niemand verrathen haben, den» eS weiß es sonst nie-mand. Hr. Prof. Geliert hat es vielleicht gemeint recht gut zu ma-chen, wenn er diese Neuigkeit, »ebst der vorläufige» Nachricht vo» derBibliothek, an den Grafen Brühl schickte; und dieser ist so galantgewesen, in einem Schreibe», das er aus Paris ao mich abgelassenhat, mir deswegen ein Lomplimenl zu machen. Keine Satirchätte wir so verdrüßlich seyn könne», als dies unerwartete Compli-

*) Gellcrt hatte mich, durch dc» Hrn. Grase» Moriz Brühl ljctzigenSächsischen Gesandte» !» England ), dem Cbcvalicr d'Arcq in Pari« zumgelehrten Korrespondenten cmpschlcn lassen. Er war einer der Herausgeberdes ^ouriiiii virsiixer, für welches ich ihm, auf seine Bitte, eine Zeit langgelehrte Neuigkeiten ans Deutschland einsendete. Man sehe auch den Briefv. 2. Mirz t757. Nicolai.

") Ich hatte Lessingcn gebeten, meine» Name» zu verschweige«. Ichstand damal noch in der väterlichen Buchhandlung, hing vo» meinem ältestenBruder ab, und hatte gute Ursachen, nicht bekannt werden zu lassen, daßich mich mit gelehrte» Arbeiten beschäftigte. Nicolai.