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vollen Glänze zeigt, wenn sie sich wagt, die feinsten Inge der Raiurnachzuahmc», eine große Seele in ihrem hellsten Lichte vorzustellen,wenn sie einen Helden abbildet, der sich unter der Last der Drangsale»inthig aufrichtet, sein Haupt bis in die Wolken erhebt, nnd die Don-ner unerschrocken niu seine Füße brüllen Hort, die wir aus einer ästhe-tischen Illusion mit der größten Angst sich um ihn haben zusammenziehen sehen. Der Weg ist schwer, sehr schwer, und nur große Gei-ster können sich Hofnung machen, ihn mit Erfolg zu betreten! Ichgestehe es; wenn aber hat mein Lessing für Wege gesorgt, darin»mittelmäßige Geister fortkommen sollen?
Sie sagen, auf der Schaubühne müsse allezeit Schmerz nnd Bc-wundernng vermischt seyn, und diese Vermischung nennen Sie Mitleid. WaS soll denn aus dem Cinna nach dieser Meinung werden?Kommen Sie mir ja nicht wieder mit Ihrem gekünstelten Mitleidenmit dem Cinna, daß er sich muß verzeihen lassen, oder mit dem An-gust, daß ihm nicht erlaubt ist, sich zu rächen. Unsere Empfindungendenken so spitzfindig nicht.
Entschuldigen Sie Ihren Ausdruck, die Bewunderung sey derRuhepunkt des Mirleidens, nur nicht. Freylich die Auseinander-setzung der Vollkommenheiten, die den Helden zieren, oder vielmehrdie Bekanntmachnng seines Charakters kann nicht selten eine Nebensccne ausfüllen, einen Ruhepunkt des Mitleiden» abgeben. Diesesist aber nicht die Bewunderung/ sondern die Hochachtung, ein nie-derer Grad der Bewunderung, die uns eine Zeitlang nuterhält, sowie wir öfters in der Komödie, um nicht immer zu lachen, rührendeStellen mit hinein bringen. Wo aber die Bewunderung der Haupt-affckt seyn soll, da muß sie in einem (!ato, in einem Brutus, ineinem Grandison, und warum sage ich nicht, in einem Thcophanesetwas mehr als solche subalterne Bedienungen haben. (5S ist über-haupt das Schicksal aller theatralischen Leidenschaften, daß sie fast garnicht mehr zu erkennen sind, wenn sie als Begleiterinnen anderer Lei-denschaften erscheinen. Die Liebe z. B. ist eine rasende und entsetzlicheLeidenschaft, wo sie, wie im HippolytuS, den ersien Rang einnimmt;wie kindisch und lächerlich ist sie aber iu lausend französischen Stücken,wo sie nur einige Ncbenscenen ausfüllt! Ich will den Polycukt nichtentschuldigen; wo Sie ihn aber mit dem Kerl vergleiche», der vomThurme hinuiitcr purzeln soll, so glaube ich, der Springer hat dasterlium eomzmi-alioni-, verlohrc». Der Held muß das moralischeGute ungleich höher schätzen als das physische Gute. Wenn Schmerz,Ketten, Sklaverei) und Tod mit einer Pflicht streite», so muß er nicht