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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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79
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Briefe an Lessing . 1767.

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Licht gesetzt. Vielleicht ließ sich diese Fabel mit mchrerem Nutzenumkehren. Der arme Frosch der ist beklagenswert!), vorhinquakte er so artig nach! Schweig/ Tyrann! vorhin stießest du

auf eine Lerche:c. Die lote--die Erfindung will gar nichts

sagen. Die ersten 10 Verse sind unvergleichlich. Die Anwendung inden folgenden beyden Versen ist possierlich. Friedrich ist die Lerche,und Graun der Adler in der Fabel. Der Schluß paßt auf diese un-schickliche Anwendung noch weniger. Die löte Eine Ziege willso hoch klettern, als eine Gemse, und fällt und bricht den Hals. Ver-gleichen Sie diese Fabel mit der Fabel des Aesops, da sich ein Froschaufblähet, um so groß zu werden, als ein OchS, so werden Sievielleicht Ihr Urtheil zurück nehmen. Die 17tc Fabel/ die eben die-selbe Maxime zum Grunde hat/ ist unstreitig besser. So wohl derEsel als der Frosch unternehmen unmögliche Dinge, und setzen sichsogleich bey ihrer ersten Bemühung dem Gelächter aus- Kann mandieses aber von der Ziege sagen? Vielleicht wäre cS ihr gelungen/wenn sie nicht jetzt verunglückt wäre. Die t9te Die Elster istder übertriebne Charakter der Lerche aus dem Geliert. Der Uhu/der Philosoph/ der in des Baumes Dauche die Welt vergißt/ solltesich hier nicht in fremde Händel mischen. Die 20te Einst starbein reicher Luchs. Warum ein Luchs? Irgend weil er sich auf Fuchsreimt? und warum war der Luchs reich? Die Leichenrede ist sehrschön, aber die Geschichte hängt nicht zusammen. Der Leser ist im-mer noch zweifelhaft/ ob nicht das Lob wahr seyn könnte. Der Um-stand/ daß ein Hofhund dieselbe Rede auf einen Menschen hat haltenhören/ beweiset sehr wenig/ und höchstens nur so viel, daß der Fuchsein plagiarius sey. Wie, wenn der Fuchs die Rede auf einen Tygeroder auf einen Wolf gehalten hätte? Die 21te ist ohne Be-weis sehr mittelmäßig. Was Sie übrigens von seiner Art zu erzählensagen wollen/ damit bin ich vollkommen zufrieden. Sie ist unvergleich-lich. So viel von Glcim.

Den Tod Adams habe ich gelesen. Der tragische Styl in Prosaist neu und ungemein schön. Im übrigen finde ich nichts an demganzen Stücke/ das Klopstocks würdig sey, außer einigen Zügen inder Unterredung mit Rain, wie nicht weniger die Beschreibung/ dieAdams Tochter von diesem ihrem Bruder macht. Sonst habe ich allesmit ziemlich kaltem Blute, und öfters noch mit Verdruß gelesen, unddieses ist mein Beweis, daß mir dieses Stück nicht gefällt. Ich weißnicht, wie Klopstock solch Zeug hinschreiben kann, das weder Zusam-menhang, noch Handlung, weder Leidenschaften, noch irgend etwas