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dafür, cS giebt in der Sittcnlehre ein Feld, das noch gar nicht ange-baut ist. Dieses ist die Theorie der Charaktere. Die gemeinen Sit-tcnlehren enthalten blos die Beweise, wie sich die Menschen nach denVorschriften der Vernunft verhalten sollten, wenn eS ihnen gegebenwäre, diese Vorschriften in allem zu befolgen. Sollte es aber nichtmöglich seyn, aus den Beobachtungen der Geschichtschreiber, der Welt-weisen und der theatralischen Dichter, eine allgemeine Theorie zu ver-fertigen, in welcher man zeigte, was aus einem jeden gegebnen Cha-rakter in diesem ode? jenem Falle fließen würde? Theovhrast, Bruycre,Moutagne, der Zuschauer, und gewissermaßen Nochcfaucault unter denWcllweisen, TacituS , Sallust, Voltaire und andre unter dcn.Gcschicht-schrcibern haben Materialien gesammlct. Die guten theatralischen Dich-ter müssen einen Vorrath davon gehabt haben; denn sie haben in be-sondern Fälle» ihre Charaktere nach der Natur entworfen. ES mußalso gewisse allgemeine Wahrheiten, ein gewisses System geben, wor-auf sich alle diese Beobachtungen gründen. Sollte cS sich nicht derMühe verlohnen, dasselbe zu suchen?
Die SchönheitSlinie habe ich im Blondcl vergebens gesucht. DerMann bestimmt die Gattung der Linie, nach welcher die Säulen ver-jüngt werden müßten. Allein die Grade der Krümmung eben dieserLinie hat er nicht festgesetzt, welche bey einer und eben derselben Ae-quation unendlich verschieden seyn könne». Seine Erfindung ist demBaumeister nützlicher, als dem Wcltwcisen; denn dieser sucht eigentlichdie Curvatur der SchönheitSlinie.
Dem Prof. Baumgartcn habe ich geantwortet, und nach IhremBefehl, seiner wunderbaren Frage gar nicht erwähnt. Ob er mir wie-der antworten wird? —
Leben Sie wohl!
den 17. F-br. 1768. Moses.
N. S. Wenn Sie auf den Sommer gewiß zu uns kommen, sowollte ich zum voraus einen Garten für uns miethen. Sie müssenmir aber versprechen, ihn fleißiger zu besuchen, als Sie den letztenbesucht haben.
Ich habe eine Bitte an Sie, liebster Freund! Der Musikus Kirn-bcrger, den Sie auch kennen sollten, und der nach feiner Geschicklich-keit in der Musik ein beßrcs Schicksal verdient, hat mir aufgetragen,durch Ihre Vermittelung, den Hrn. Breitkopf zu bewegen, einige vonseinen Sachen drucken zu lassen. Hier folgt das Vcrzcichniß davon.