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hastigkeit nicht zu, es so gelassen aufjligcben, und bewundern den gro-ße» Mann. Aber in Ihrem Codrus? — Jedoch, ich bin ein voreiligerSchwatzer. Vielleicht dürste ich an dem Cato eben so viel auszusetzengefunden haben, wenn mir Addison seinen Plan, wie Sie, in einemflüchtigen Schreiben bekannt gemacht hätte. Wie werde ich michschämen, wenn Sie, trotz meinem Geschwätze, der Beurtheilung dcSHrn. Nicolai einen sehr interessanten Plan einverleiben werden.
Apropos, versteht man Sie jetzt, warum an das Bildniß desHrn. von Kleist gar nicht zu denken ist? Trotz Ihrer Verschwiegen-heit, haben wir doch schon vor einigen Monaten gewußt, daß vondiesem Hrn. ein Trauerspiel gedruckt werden soll. ES wäre Schade,wenn die Preußen nicht alles wissen sollten, was die Sachsen unternehmen.
Ich gehe jetzt mit einer Materie zu philosophischen Briefen schwan-ger. Ich kann aber nicht eher crlößt werden, bis Sie mein SocrateSsind. Wer kann anders, als Sie, von der Geburt urtheilen, ob sienicht i-ielieulus mus sev?
Leben Sie wohl, mein Werther, und vergessen Sie, in der ange-nehmen Gesellschaft des liebenswürdigen Mannes, nicht
m-.li» Ibr-S
Berlin, Freundes
den 27. Febr. 1758.N. S. Ich bitte nochmals für Hrn. Kirnbcrger.
Von Glcim.
Halbcrstadt, den 16. April 1723.
Nur zwey Worte, liebster Freund; zu mehreren hab' ich die Zeitnicht. Ich muß untersuchen, was für Thaten die Franzosen , unsereFeinde, mit dem Magen gethan haben! Mein Gott, wie haben dieLeute gefressen! Sie können kein Herz haben, sie sind lauter Magen.Zwey Worte nur! Wie lange bleibt wohl unser Rlcist noch bey Ih-nen? Vielleicht daß ich einen Schwabensprung thue, von Halberstadt nach Leipzig , und meinen Rleist überfalle. Merken Sie sich'S: viel-leicht. Sie böser Mann! warum kamen Sie nicht nach Berenburg?warum nickt nach Halberstadt ? Sie hätten mir die größeste Freudegemacht, wir hätten so schöne Sachen mit einander abreden können;und wenn Sie lange genug bey mir geblieben wären, so hätt' ich Zeitgehabt, Ihnen alle die Danksagungen zu sagen, die der Grenadierwegen Besorgung seiner Lieder, mir aufgetragen hat, die ich wegenZeitmangels Ihnen schuldig geblieben bin.