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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
Seite
99
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Briefe an Lessing . 1758.

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Halberstadt , den 13. Juli 1768.

Auf neuen Befehl unsers theuersten Rleists übersend' ich Ihnenhierher, die von ihm an Sie angewiesenen hundert Thaler, mit Bitteum eine kleine bürgerliche Quitung über richtigen Empfang zu mei-ner Sicherheit, auf den Fall, den Gott verhüte, und uns nicht erlebenlasse. Als unsers Rleists Haushalter, kann ich zur Rechenschaft ge-fodert werden. Schreiben Sie ihm doch fein oft; ich weiß, wie ange-nehm ihm Ihre Briefe sind. Seine letzten waren ziemlich melancholisch.

Antworten Sie doch dem Grenadier bald, und sagen Sie ihm,wie Sie mit seinem Collinischen Liede zufrieden sind. Grüßen Siedoch ja den lieben Xamler und alle die übrigen Freunde von :c.

Gleim.

Halbcrstadt, den 16. August 1758.

Ob der Grenadier mit Ihrem Vorberichte zufrieden seyn wird?Er wird nicht wissen, wo er allen den Dank hernehmen soll, den erIhnen, Herrn Rrause, und Herrn Meil schuldig ist. Denn auch diebeyden Kupferstiche werden ihm sehr gefallen. Mehr kann ich Ihnendiesmal nicht sagen. Ich komme zurück von einem Spazierritt vondrey Meilen, bin durchnäßt, wie der Nachtschwärmer Amor, denAnakrcon erwärmte, kann in das Vergnügen, so viele Briefe meinerFreunde auf einmal zu bekommen, mich nicht finden; zumal da eSmit Galle vermischt ist, wie Amor's Honig. Denn ich habe zweyBriefe von Ihnen vor mir, zwey von unserm Rleist, einen von un-serm Ramlcr. Der arme Ramler! In seinem Briefe ist die Galle,die ich mevne. Sagen Sie ihm doch, daß ich Doch nein, sagenSie ihm nichts; ich will ihm selbst schreiben.

Unser Rlcist schilt auf seine Feinde, weil sie nickt stehn. Schrei-ben Sie ihm doch oft, liebster Freund! Ach gäbe Ihnen gern einenAuSzug aus seinem Schreiben; aber ein andermal. Wir fürchten unsitzt weder vor Ocstrcicher noch vor Franzosen ; wir haben Grenadiereund Husaren bcv nnS. Vielleicht könnte eS in Pohlen bald etwas zubesingen geben. Der Grenadier aber steht noch immer bey der könig-lichen Armee; und wo er nicht schlagen hilft, da singt er nicht. :c.

Gleim.

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