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iu seinem Hause noch voller Geigen ist. Bedenken Sie, wie weniger jetzt bey sich selber seyn muß, da er in der That tausend Kleinig-keiten zu besorgen hat, er, den eine einzige Kleinigkeit schon beynahealles freundschaftlichen Umganges unfähig macht. — Wir wollen sehen,ob Nicvlai der Ehemann sich besser wird zu fassen wissen, als Nicolaider Liebhaber; vielleicht hat ihn die Liebe nur so zerstreut. — Wasmeinen Aufenthalt noch einsamer macht, ist, daß Herr Bloch, an dessenGesellschaft ich mich gewohnt hatte, auf die hohe Schule nach Frank-furt gereiset. Wenn nicht zum Glücke auch Herr Neugebauer verreistwäre, so wäre es gar nicht auszuhalten.")
Schreiben Sie mir ja fleißig, mein lieber Freund! damit ich we-nigstens des einzigen Vergnügens nicht beraubt werde, das mir nochiibrig ist. Melden Sie mir, ob Sie einige Muße haben, oder obSie mehr Geschäfte vorgefunden, als man Ihnen vorgestellt hat.Ich besorge das Letztere, und bin um Ihre Zufriedenheit sehr beküm-mert. Wen die Liebe zu den Musen so gefesselt hat, wie Sie, dersiehet sich nicht, ohne den äußersten Verdruß, auf einmahl ihres Um-ganges beraubt.
Die Briefe über die Litteratur hat Herr Nicolai vor seiner Hoch-zeit einige Wochen unterhalten, um sie mir vielleicht hernach ganz auf-zuladen. Er hat Schöpflin von der Erfindung der Buchdruckern)recensirt, und ich beschäftige wich gegenwärtig mit Flögels Versucheiner Theorie der ErfindungSkunst. So bald ich Hrn. Nicolai spreche,werde ich besorgen, daß Ihnen die Briefe wöchentlich überschickt wer-den. Ich wünsche sehr, daß sie zum Nenenjahre aufhören mögen;denn ich bin zu einförmig, die Leser von verschiedenem Geschmacke zubefriedigen. Doch Herr Nicolai verspricht künftig fleißiger zu seyn,und wenn Sie, wie Sie versprechen, auch einige Blätter einschicken,so mögen sie sich noch ein Vierteljahr erhalten, aber länger gewiß nicht.
Mein zweytes Schreiben ist, wie Sie sehn, eben so trocken alsdas erste. Doch in unsern mündlichen Unterredungen ist eS jederzeitIhr Amt gewesen, die nützlichern Materien aufs Tapet zu bringen,in dem Wettlauf den ersten Schritt zu thun, und mich zum Nach-denken aufzumuntern. Thun Sie dieses immer auch in unsern schrift-
*) Bloch ist der durch sein großes Werk von den Fischen berühmteDr. Bloch. Neugebauer, aus Schlesien gebürtig, war ein schaler Kopfund sehr zudringlicher Mensch. Er hat schlechte Fabel», und ich denke, auchfürs Theater schlechte Stucke geschrieben. Er ging in der Folge nach Wien ,wo er eine Zeitlang eine Art von Rolle als Gelehrter spielen wollte, undanch, so viel ich weiß, starb. Nicolai.