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Leben Sie wohl, melii bester Freund! Ich habe endlich so vielgeschmiert, so viel ich immer an einem Abend hätte plandern können.
Theurester Freund!
Ich wünschte, daß Ihre pythagorischen Lehrjahre nun bald vor-bey seyn möchten, damit man wieder ein vernünftiges Wort mit Ih-nen sprechen könnte; oder lassen Sie mir wenigstens durch Hrn. Kuhmelden, wie lange Sie sich vorgenommen, nicht zu antworten, damitich nur wenigstens etwas von Ihnen höre. Ich begreife nicht, wasSie so eigensinnig machen kann, niemanden zu antworten?
Ich habe in Ihrer Abwesenheit an Hrn. Prof. Baumgarten ge-schrieben, und ihm mein Vorhaben, den Phädon umzuarbeiten undherauszugeben, bekannt gemacht. Der seltsame Mann! Er hat eineAntwort geschickt, die mich in Verwunderung gesetzt hat. Ich warWillens, Ihnen seinen Brief zu überschickcn; da ich aber so wenigNachricht von Ihnen bekomme, als wenn Sie in einem andern Wclt-thcilc wären, so mag es unterbleiben, bis Sie geschrieben haben werden.
Herr Nicolai hat Ihnen, wie er sagt, die Briefe zugeschickt. Erhat den frankfurtschen Prof. Abt zum Mitarbeiter angenommen. Der-selbe gehet nach Rinleln als Prof. der Philosophie, wird sich abervorher allhier eine Zeillang aufhalten, und Briefe schreiben. Er istder Verfasser des Werkchens vom Tode fürs Vaterland, davon ich Ih-nen jüngst geschrieben. Leben Sie wohl, mein liebster Freund.
Werthester Freund!
Vor einigen Tagen reiste Herr Joel, aus Breßlau kommend,hier durch nach Potsdam . „Keinen Brief an mich, mein Herr Joel?''— Nein! Der Herr Sekretär Lessing läßt Sie grüßen, er hat einigeTage vor meiner Abreise erst an Sie geschrieben, sonst würde er mireinen Brief mitgegeben haben. „Wissen Sie das gewiß, mein lieberMann?" Ich glaube eS wenigstens. — Gut, was Herr Sccrctär Les-sing sagt, und der Jude Joel glaubet/ crollak ^ullaous ^polla. —Derselbe Mann hat mir noch eine andre Nachricht mitgetheilt, »ehm-
Jch bin
Jhr
Berlin,den 11. Febr. 1761.
Moses.