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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lessing. 476Z.

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freylich zu gelehrt. Aber ich wollte Montfaucon, Spanheim, Eber-mayer und Slddison on moäals nicht vergebens gelesen habe». We-nigsiens wollte ich mir die Miene geben, als wenn ich wirklich gelesen,und nicht, wie ich gethan, nur die Küvferchen betrachtet hätte. DieserKunstgriff, Gelehrsamkeit zu lügen, war fein genug, Herrn E. undConsortcn anzuführen, aber einen Lessing? °)

besitzen, so würde er mich durch die Mittheilung derselben ungcmcin verbin-den. Eben so machte Moses hernach im I. 1763 eine schöne Friedcnsprcdigt,welche unter dem Namen des Rabbiners Aaron Mosessohn in meinemVerlage gedruckt ward. Moses setzte, weil er nicht bekannt seyn wollte, undaus Scherz, auf den Titel: Ins Deutsche überseyt von R- S- R>Denn, sagte Moses , da Rabbi Samson Ralir sich meine hebräische Logikzugeeignet hat, so mag er nun auch meine Predigt auf sich nehmen. DiesePredigt ward kurz darauf auch hebräisch und deutsch von Harrog Leoherausgegeben, und 1793 ward sie hebräisch in die hebräische Wochenschrift,der Sammler/ eingerückt. Nicolai.

°) Moses meint Ephraim und die übrigen Münzuntcrnchmer. Daseinzige was er ihnen zu Gefallen that (da er sonst schlechterdings abschlug,Ihnen zu ihren Unternehmungen auf irgend eine Art Rath zu geben), war,daß er zu ein Paar Denkmünzen auf Schlachten, die sie prägen ließen, dieErfindungen an die Hand gab. Er hatte auch noch einen vortrefflichcn Ge-danke», der aber leider nicht ausgeführt ward. Moses überlegte, daß goldeneund silberne Gcdächtnißmünzcn gewöhnlich in de» Schmelzticgel kommen. Esfehlte damals ganz an Scheidemünze. Man hatte fast nichts als die uutcrsächsischem, bcrnburgischcm und andern Stempeln geprägten Achtgroscheii-Stücke.Um also Denkmünzen auf Friedrich den Großen sicherer auf die Nachwelt zubringen, imd zugleich den damal in Deutschland fast allgemeinen Enthusiasmusfür Ihn noch mehr zu verbreiten, schlug Moses den Münzuntcrnchmer» vor,kupferne Ein- und Zwcpgrcschcnstücke von der Größe eines kupfernen Drcvcrsnnd größer zu präge». Auf der rechte» Seite aber sollte der Zahluugswcrthangezeigt werde». Der Kehrseiten sollten aber so mancherley sevn, als dieverschiedene» de»kwürdigcn Thaten Friedrichs des Große». Diese Kehrseitensollten mit antiker Simplicität erfunden, und von gute» Künstlern gezeichnetund geschnitten werden. Es sollten also diese Stücke gangbare Scheidemün-zen und auch eine Folge von Dcnkmünzen auf die Thäte» Friedrichs desGroße», und besonders auf Begebenheiten des stcbciijährigc» Krieges seyn.De» Münzuntcrnehmcrn hatte Moses diese Idee dadurch angenehm gemacht,daß er ihnen vorstellte, es würde von dieser Scheidemünze eine ungeheuergroße Menge können ausgeprägt werden. Denn jedermann in ganz Dcutsch-la»d würde eine solche Folge von Denkmünzen für so geringen Preis gernbehalte», nnd wenn auch wieder gutes Geld geschlagen würde, werde manScheidemünzen dieser Art auch i» gutcm Gelde sehr gern für voll nehmen.Die Münzunlernchmcr waren bereit, die Koste» herzugeben. Aber ein un-