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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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127
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Briefe an Lessing . 1763.

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Ding, und es laßt sich gar wohl eine Harmonie zwischen denselbengedenken.

Der Satz, den Sie ans dem Spinoza (Th. II. §. 163.) anfüh-ren, ist vermuthlich die XXI. vrop., denn in der Ausgabe, die ichbesitze, sind keine H. bezeichnet.

Allhier sagt Spinoza : Ilaoo monUs iclea eoäem moäo unitaett meuti, ae ipta meus unila e5t coipori. Die Worte tiaeo rrieri.lis iäea müssen nicht durch den Begrif der Seele von sich selber ver-deutscht werden, denn sie beziehen sich auf die XX. ?rop. und Spi-noza verstehet darunter: weritis Irum-mao i6ea, live coAvitlo, c^uaeekt ,n Deo. Es ist wahr, rnens liuwaiia ist nach seiner Meinungpai-8 intollectus 6ivir>i, allein in dem wahren Sinne des Spinoza müssen demohngeachtet cognitio mevtis Iiuiuanae, ciuao ekl. in veo,und cnAnitio mentis lui i^i6us wohl unterschieden werden, in soweit jene Gott, der unsere Seele nebst andern einzeln Dingen zugleich,diese aber Gott , in so weit er nur, was in unserm Körper vorgeht,wahrnimmt, und also Gott in ganz verschiedenen Betrachtungen angehen.

llcberhaupt, dünkt mich, kommt es hier nicht auf diesen oderjenen Ausdruck an, dessen sich Spinoza bedienet, auch darauf nicht,ob er mehr als eine Substanz zugegeben oder nicht. Die Hauptfrageist, ob Spinoza folgende Sätze, in welchen, meines Erachtens, dasWesen der Harmonie liegt, gelehrt habe?

1) Daß Bewegung und Denken von einander unterschieden sind.

2) Daß coguikio niemahls eaula ellieiong mulaliouis extenli,so wenig als extonlio caula muwlionls eoAit!>lioui8 seyn könne.

3) Daß vielmehr allezeit cvAiwtio ex evAitatione und mowsex motu folge.

4) Doch so, daß 8erios moluum et oogltationum mit einan-der harmoniren.

Dieses sind, meines ErachtenS, die wesentlichen Sätze der vor-herbestimmten Harmonie, und diese hat Spinoza ja vor dem Leibnitz be-behauptct. Freylich machte sie jener Weltwcise seinem übrigen System soangemessen, als möglich, und so oft Sie ihn auf seinem Ilodli^-IIorlvantreffen, muß er Ihnen ganz querfeld zu gallopiren scheinen. Wennwir aber die Meinungen verschiedncr Wcltwcisen mit einander ver-gleichen wollen, so müssen wir mehr auf die Sätze, als auf ihre syste-matische Einkleidung sehen.

Dieser Satz: die Ordnung und Verbindung der Begriffe ist mit derOrdnung und Verbindung der Dinge einerley, dieser Satz, den Sienach dem Sinne des Spinoza vortrcflich aus einander gesetzt haben,