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muß ein denkender Kopf doch etwas eng athmen. Dazu kommt, daßGleim in Ernst versicherte, die ganze Sache sey ein Finanzvrojekt
gedachte. Es erklärt endlich, warum er nachher, da er durch den Ruf»ach Wolfenbüttcl doch in Deutschland blieb, so wenig mit den deutschen Delles-Lettres mochte zu thun haben; warum er sich lieber in die Anti-quitäten, in die Büchcrkenntniß, in die Kirchciihistoric, und endlich, leider!in die theologischen Streitigkeiten warf. Ich sage: leider! denn diese verbit-terten am meisten die letzten Jahre seines Lebens, und trugen zn der Be-schleunigung seines Todes viel bey. Ich und Moses widerriclhcn ihm, alser zum letztenmal in Berlin war, und einen Theil der nachher so berühmtund so berüchtigt gewordenen Fragmente bey sich hatte, auss crnstlichstc, sichmit der Herausgabe derselben zu befasse». Umsonst! Er war davon nichtabzubringen; wie er sich dc»» freylich überhaupt nicht leicht von einer Ideeabbringen ließ, die einmal in seinem Geiste lebhaft geworden war. Er schriebunsere Widersetzlichkeit gegen sein Vorhaben einem ganz falsche» Beweggründez». Er erwartete von der Herausgabe der Fragmente eine» Erfolg, den sienicht haben konnten, wie wir uns vergeblich bcmühctcn, ihn zu überreden.Diese Herausgabe hatte hingegen, leider! für ihn sehr unangenehme Folgen,und gar nicht diejenigen, die er erwartete. Der Zufall, daß Goczc, mit demcr auf dem freundschaftlichsten Fuße lebte, ihn nicht in Wolfcnbütlcl fand,und der fast unbegreifliche Zufall, daß Lcssing einen Brief von Eoczc, worindicscr eine Nachricht von einem Buche verlangte, uubcautworlct ließ, ob crgleich sonst kcine Briefe geschwinder beantwortete, als solche, welche Bücherbetrafen, (s. unten den Brief Nr. 59) l^Bd xn, S. 288^ beschleunigte»freylich diese Folge». Demi »u» war Eoczc gcgcn ihn empfindlich, und schriebgegen die Fragmente und gegen Lcssingcn, den Herausgeber; wclchcs cr sonstschwerlich würdc gethan habe». Dadurch kam Lcssing i» Händcl mit dcr or-thodorcn lhcologischcn Parthey. Das war aber bcv dcr Hcrausgabc gar nichtseine Mcimmg; dcnn, man mag es mir glauben oder nicht, seine Absichtwar, der orthodoxen Parten durch die Herausgabc einen Dienst zu crzcigcn.Ich kann mich hicr übcr dicsc letzte Absicht nicht wcitcr crklärcn. Man s.Lcssings Bricf an scincn Brndcr v. 2. Fcbr. 1774. Nicolai.
*) Es war nicht cinmal ci» Projctl; dcnn nach allc» Anzcigrn, hatteman in Wien nie in Ernst an so etwas gedacht, wenigstens dcr Kaiser nicht.Alles was geschah, war, daß Klopstock , bey Gelegenheit dcr Dedikation, desKaisers Bildnis; mit Diamanten besetzt erhielt; nnd nachher war in Wie»von dcr Sache gar nicht weiter die Rcdc, I» Hamburg u»d andern Ortenward damal von diesem Kaiserliche» Geschenk im höchsten Tone des Lobprci-sens gcrcdct. Untcr andcr» im Hamb . Korrcspondcntcn v. Zahr 176S.Nr. 100 hicß cs: „Erwacht Ihr Deutschen aus Eurcm Schlummcr! —„Echt auf eurcn Kaiser, den große» Joseph, dc» keine Vorunhcilc scsscln;„dcr dc» dcntschc» Muse» im Königlichen Wien cincn Tcmpcl zu bauen ver-beißt; einen Rlopstock, dies Adlcr-Gcnic, kaiserlich belohnt!" n.s.w.