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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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219
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Briefe an Lessing . 1770.

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Dero Vermittelung geschehen, daß auch die herzogliche Bibliothek,der Sie vorstchn, ein Exemplar nähme, so geschehe mir darunter eineGefälligkeit. Zwar weiß ich wohl, daß dergleichen Bitten, und Dienst-leistungen keinen von uns beyden kleiden. Aber die Verfassung derWelt, in der wir leben, macht sie unvermeidlich. Wenigstens mußich, da ich einmal die Rolle eines Verlegers wider meinen Willenspielen muß, mich zu dergleichen Erniedrigungen bequemen. HerrRandal, ein Schotte, wird Ihnen vor einigen Wochen ein Schreibenvon mir eingehändigt haben, und ich hoffe, daß es gütige Aufnahmewerde erhalten haben. Ob die vorgeschlagene Subscription auf meinenDcmosthcncS bey dem hamburgischcn Intelligenz-Comptoir zu Standegekommen, und Gelder daselbst eingegangen sind, ist mir jetzt nochnicht wissend. Zwar versprach ich mir von Hamburg wenigstens einigenBeystand; aber zu meiner Bcfremdung ist noch weit weniger von da-her, als selbst von Leipzig eingegangen, da doch ihrer sechs noch prä-numeriret haben. Doch ich will Euer Wohlgebohrucn mit dergleichenKleinigkeiten nicht behelligen. Dürfte ich aber wohl so frey seyn, undmich erkundigen, unter was für Bedingungen man wohl aus derWolfenbüttclschen Bibliothek etwas von Manuscripten hierher nachLeipzig bekommen könnte, falls man mcyntc, des einen oder des andernvon daher benbthigt zu seyn. Unter Versicherung aufrichtiger Hoch-achtung und Anwünschung alles Wohlergehens verharre ;c.

D. ReiSke.

Berlin , den 17. Mai 1770.

Liebster Bruder,

Ich will Dir nur kurz melden, daß ich die Assistcntensiclle beydem hiesigen General-Münzdircktorium erhalten habe. Die Besoldungist 0<x> Thaler, und wie viel Arbeit, wird die Zelt lehren. Ich tretesie heute an. Meine äußerlichen Umstände wären verbessert, aber dieHoffnung ist dahin, mit Dir einige Zeit zu leben, und sogar, Dichso bald zu sehen, wenn Dn nicht vor Deiner Abreise nach Berlin kömmst, welches man mich versichern wollen.

Hier trug man sich mit einer Neuigkeit: Klotz komme nach Pots-dam , als Aufseher des Stoschische» CabinetS; und Einige glauben eSbis jetzt noch. Wenn etwas daran wäre, würden es seine Jünger aus-zubreiten vergessen? Vor einigen Tagen war ich bey Sulzer , der denAuftrag hatte, einen jungen Menschen zu suchen, den sich der Königselbst zuziehen und zugleich zum Aufseher dieses CabinetS setzen will.