Druckschrift 
Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
Seite
271
Einzelbild herunterladen
 

Briefe an Lessliig. 1771, 271

Manuscripten eine zuverlässige Nachricht aufzusehen. Sie können sichdarauf verlasse»/ wenn Gott Leben und Gesundheit verleihet. Eheraber kann es nicht geschehen/ als zu Ausgange des Julii oder zu An-fange des Augusts. Denn alsdann haben wir Schulleute unsre Hunds-tagsfcricn. Ich werde alsdenn auch meine Frau mitbringe»/ die sichzum Voraus ci» Vergnügen daraus macht/ dem berühmten Lessing ihre Hochachtung gegenwärtig bezeugen zu könne»/ den sie in seinenSchriften bewundert. Für itzo schließe ich mit Anwünschung einesfrohen Jahreswechsels, und in Erwartung fernerweitigen Wohlgewogen-hcit von Ihnen, mein hochgeehrtester Herr Bibliothekar/ verharre ze.

D. Neiske.

N. S. Ueberbringcr dieses/ Herr Dohm(*) aus Leingv/ der nachHause reist/ wünscht die Bibliothek zu Wolfcnbültcl zu sehen/ und er-bittet sich von Euer Hochcdclgebohrncn eine geneigte Aufnahme. DaSPäckchen Bücher soll in 3 Tagen nachfolgen.

Braunschwcig, d. 7. Januar 1771.

Nach gerade werde ich Ihnen wohl ein recht beschwerlicher Mensch/mein liebster Lcsstng! Da sitze ich als ein Schiffer auf einer Sand-bank/ und kann noch nicht von meinem clomino clementiMmo, cMmerila llirülur i>iiklim»5, loskommen. Ich kaue auf meinen ^iiMmumund wiederkäue ihn, Gott weiß, wie lange! Endlich habe ich einenberühmten ,>iu8 gefunden/ der ohngcfähr in die Zeit deS Taussignanhineinschlagt. Wissen Sie wo? O! das rathen Sie wohl schwerlich!in ^»lcmii ^limeinelli Li'amm.ilie.i. L.is, 16V1. Ich denke hierin»meinen ziliMmnm gehascht zu haben. Wie aber/ wenn ich den un-rechte» gehascht hätte? Dieß mögen Sie/ gutherziger Mann (wie derscclige Gcllcrt sich auszudrücken pflegte) mit ausspähen helfen. Nochjetzt bi» ich in dem Traume, daß es dieses Grammatikers Mancinellifecliger Herr Vater/ Johann ManzinclluS ist. Ein großer und sehrwichtiger ,>!»s! Hören Sie/ wie ich auf diese Muthmaßung gefallenbin. Etwa in der Mitte der Grammatik seines SohncS/ besingt Calliopein einer ziemlichen wcitläuftigcn Elegie, (wer der Verfasser dieserElegie ist, weiß ich noch nicht, vermuthlich er selbst) ihn und seinenVater. Der Titel der Elegie heißt- Vitao ^ntcmii kl-melnelli i'eoi-tvini I^Iv.i. Vom Vater wird dieses gesagt: (Nachdem vorher dasVerdienst, die gottlosen Juden aus der Stadt gejagt zu haben, geprie-sen ist u. f. w.)

(') Der jetzige Geheime Nach nndKrcis-Dircclonal-Ecsandte vonDohm.