Briefe an Lcsstng. 1771.
273
Wie so herzlich gern, theuerster Freund/ begrub' ich mich einmalnur auf etliche Wochen in Ihren deutschen Manuscripten, um meinenGeist daraus zu stärken: denn Stärke hat er nöthig; er hat bisher vonkeinem Feuer, sondern von Wasser gelebt. Das ist, ich habe Rech-nungen gemacht.
Daß ich in Berlin gewesen bin, daß ich Ihren Mendelssohneinen Abend gesehen, daß ich an diesem Abende, bey der BegleitungMendelssohns nach Hause, vierzehn Unzen Blut vergossen habe, daßder arme Mendelssohn einen großen Schrecken davon hatte: diesesalles erzähl' ich Ihnen beym nächsten Uebcrfall. Denn wenn der Wegvortrefflich wird, dann ist der vortreffliche Less-ng keinen Augenblicksicher, von seinem Glcim überfallen zu werden.
Glelm-
Lieber Bruder,
Aus bevliegcnden Aushängebogen wirst Du sehen, daß fleißig anDeinen Trauerspielen gedruckt wird? aber leider! wirst Du auch sehen,daß ich in einem Bogen einen Fehler stehen lassen, der, weil er sogrob ist, sogleich in die Augen fällt. Diesem abzuhelfen, wird wohlein Carlo» gemacht werden müssen.
Wie steht es mit Deiner neuen Tragödie? Wenn Du auch nochnicht fertig bist, so wirst Du doch wohl schon so weit mit ihr zu Randeseyn, daß Du den ersten Akt schicken kannst? Denn ich werde alleTage lüsterner darnach.
Hast Du »och nichts von Wien erfahren? Ich habe Sulzern seitacht Tagen nicht gesehn. Ich bin sehr begierig, was für einen An-trag man Dir machen wird.
Namler ist krank; aber demnngcachtet hat cr eine Rede auf desKönigs Geburtstag gemacht, die Madame Koch halten wird. In derBerlinischen Zeitung wirst Du sie finden.
Der Maler Calau , der Dich sehr wohl kennt, und die alte Wachs-malerev wieder entdeckt haben will, hat hier nicht nur ein ausschließ-liches Privilegium zum Verkauf seines clcedorischen Wachse-, sondernanch eine jährliche Besoldung vom Könige erhalten- Der Maler Rode ,mit dem ich davon sprach, und dem schon vor einigen Jahren eineProbe von Leipzig aus zugeschickt worden war, hielt von der ganzenWicdcrentdcckung nichts. Allein was mich am meisten von ihm wun-derte, war, daß cr diese Malercy für übcrflüßig hielt, weil wir "dieLessmgs Wette x»l, lg