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schen Bibliothek vorhanden seyn soll. Er will meine Vorsprache ha-ben. Ich glaube, er hätte sie nicht nöthig, wenn Sie ihm nur dasManuskript gleich in die Hände geben könnten, und nicht erst einenBrief deshalb schreiben müßten. — Doch dem sey wie ihm wolle, ichhabe das Meinige gethan.
Ich wollte Ihnen mit diesem Schreiben gern die »lemoiis ok3olui IZunele senden. Aber Prof. Garve in Leipzig hat sie. Er istein eben so fauler Briefschrciber als Sie, und hat mir auf zwey Briefe,die ich ihm deshalb geschrieben habe, nicht geantwortet.
Unser Freund MoscS ist vorigen Donnerstag zum ordentlichenMitglied! der Academie (doch ohne Gehalt) erwählet worden. DieConfirmation des Königs ist zwar noch nicht aus Potsdam zurück *);man zweifelt aber nicht daran. Dieser Vorfall freuet mich: nicht Mo-scS wegen, sondern anderer Leute wegen. Doch wenn er, wie eS mög-lich ist, künftig eine Pension erhielte, so würde ihm dies die Mußegeben, die er jetzt nicht hat.
WaS machen Sie, mein liebster Freund? Epigrammen? Die sindschon fertig! WaS nun? Haben Sie den Astrüc widerlegt? oder habenSie etwa, ohne mir cS zu sagen, einen Band antiquarischer Briefedrucken lassen? Geben Sie sich nur nicht mehr mit dem Bcrengar undseinen Gegnern ab. Da zwingen Sie unser einen, daß er ein Stück-chen verteufelte Kirchcnhistorie durchlcscn muß, womit er hernach garnichts anfangen kann. Moses hat mir etwas von einem Sklaven-kriene vorgesagt. Wenn der bald käme, so wäre das so etwas füruns andern, das wir lieber lesen würden, als die Kirchcnhistorie. Klop-stockS Schlacht der sieben Fürsten, soll unter der Presse seyn. Ichbin begierig darnach, ob ich mich gleich mit dem Bardengeschmacknicht recht vertragen kann. Ich habe Hermanns Schlacht bewun-dert, kann sie aber nie lieben. Ich habe sie zwevmal gelesen, aberzum drittenmale lese ich sie nicht- Ich habe den von *** gelesen.Der Verfasser giebt zu verstehen, er sey sehr sorgfältig in der " ge-wesen, und ich denke, er war nachlässig. — Klotz giebt ja vor, daß erseine Abhandlung von geschnittenen Steinen lateinisch herausgeben,und Sie darin von Kopf zu Fuße widerlegen wolle. Das wird einherrliches Werk werden! Leben Sie wohl, liebster Freund. Ich binstets der
Ihrige,
Nicolai.
*) Der König anlwortctc der Akademie gar nicht hierauf, und dieWahl blieb unbestätigt. Nicolai.