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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe au Lcssing. 1771.

verzeihe ich Ihnen; sonst aber müssen Sie wahrhaftig! für alle dieBosheit/ so Sie an uns ausüben, noch gcstrafct werden. Das Mäd-chen/ daS Sie sich wünschen, sollen Sie wenigstens nie finden.

Aber nun im Ernste. Wenn kommen Sie denn? Sie müssen esmir wirklich schreiben. Ich verspreche Ihnen nicht entgegen zu kom-men, wenn Sie es nicht haben wollen, und cS auch keinem Menschenzu sagen. Ich wollte es nur wissen, um mich auf den gewissen Tagrecht freuen zu können. Ob Sie bey mir logircn wollen, stelle ichin Ihren Willen. Sie können Ursache haben, warum Sie cS nichtthun wollen. Ich habe keine, die mich abhält, es zu wünschen.

Nur logircn Sie nicht auf dem Eimbeckischen Hause. DaS HauSist noch neu. Wenn Sie also nicht völlig wohl wären, so könntedies Sie vollends krank machen.

Ein Besuch von Madam Sch. hält mich ab, Ihnen mehr zusagen, als daß ich Ihre Briefe, noch mehr aber Ihre Ankunft, mitUngeduld erwarte.

Leben Sie recht wohl! Ich binDero

aufrichtigste FreundinnE- C. König.

Berlin , den 13. September 1771.

Liebster Bruder,

Wenn Du nun durchaus nicht zu uns kommen willst; wenn Dirdie Hamburgischen Gärten besser gefallen, als die Berlinischen Sand-plänen: so thut cS uns von Herzen leid. Aber unser Leid wird indesto größere Freude verkehrt werden, wenn Du dcmungeachtet kömmst,ohne Dich anzumelden.

In der gerechten Furcht indeß, cS möchte aus der ganzen Freudenichts werden, sende ich Dir zur Strafe einen kleinen UriaSbricf. DieVorrede zu Deinen vermischten Schriften wollten wir uns ausbittcn.O, hättest Du die Fertigkeit des Setzers, der von Deinem Manuscriptesagen kann: ich sehe, ich lese cS und da ist cS gedruckt! Weil Diraber an derselben nicht viel liegt, so wünsche ich Dir wenigstens seineGesundheit. Denn wer hurtig und viel arbeitet, muß doch wenigstensgesund seyn. Dein

treuer Bruder,Karl G. Lessing,