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angicbst: so könnte er es doch seyn, und alle daraus hergeleitete Re-geln sind dem jetzigen Epigramm so wesentlich/ daß sie wohl niemandin Zweifel ziehen wird. Ein witziger Kopf kann wohl eine solcheAchnlichkcit inne werden/ aber sie nicht durchsetzen. Nur das ist mirdabey eingefallen, daß nach Deiner Abhandlung viele deiner Gedicht-chen, die Du unter die Epigramme gezählt, diesen Nahmen nicht ver-dienen. Eins zum Beyspiele; und ich glaube, cS sind deren noch meh-rere, auf die ich mich nur nicht gleich besinne. Die Wohlthat.Künftig sie wegzulassen, wäre Schade, und sie besonders zu drucken,da hast Du ihrer zu wenig.
Sulzcr hat mir sein Lexikon für Dich geschickt, und Du sollst esmit erster Gelegenheit bekommen. Ich habe hin und her darin gele-sen. Den Sänger der Noachide und mancher andern Epovee hat eraus der Vergessenheit gerissen. Home's hat er bey dem Artikel Aesthe-tik nicht erwähnt, sondern nur des du BoS. Sollte nicht jener schätz-barer seyn? Von Deinem Streite mit Klotz sagt er bey dem ArtikelAllegorie:
Es wäre zu wünschen, das Jemand alle allegorische Bilder der Al-ten aus allen Schriften und Kabinetten zusammen suchte, und dar-aus eine bessere Jkonologie machte, als die Ripa gegeben. Oft fehlteinem Künstler von Genie nichts, als daß er wisse, was Andernvor ihm schon möglich gewesen. Hätten doch Lcssing »nd Klotz, dieso manchen Schriftsteller durchsuchen, um einen eben nicht so wich-tigen Streit fortzusetzen, ihre Bemühungen darauf gewendet!Also ist allegorische Bilderchcn sammeln nützlicher, als über dieRichtigkeit der Allegorie denken! Er muß die Abhandlung, wie dieAlten den Tod gebildet, nicht kennen. Und sollte ein Sulzer ohneEinschränkung behaupten, daß euer Streit unwichtig sey? Hätte Klotz,anstatt seine Sache zu vertheidigen, nicht Personalitätc» hineingebrachtund wäre überdies der Sache noch besser gewachsen, so wäre die Nütz-lichkeit von diesem Streite freylich einleuchtender geworden. Daß dochdie Gelehrten so gern das, wovon sie weniger verstehen, dem Publi-kum als Kleinigkeit vorspiegeln!
In ein paar Tagen schreibe ich Dir, liebster Bruder, wieder;wenn ich nur wissen werde, ob Dich dieser Brief noch in Hamburg oder schon in Wolfenbüttel angetroffen.Ich bin, wie allezeit, Dein
treuer Bruder,Karl.
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