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zu ihm zu ziehen; ich habe aber immer eine Abneigung für meine Va-terstadt gehabt. Wer kann wissen, ob mir eine Wahl übrig bleibt?
ES ist Zeit, daß ich schließe, sonst komme ich auf Ideen, denenich gerne ausweiche.
Ich wünsche, daß Sie so viel Ursachen hätten, vergnügt zu seyn,als ich leider Ursachen habe, es nicht zu seyn. — Lassen Sie sich dochnicht das böse Braunschweig am Schreiben hindern, und antwortenSie mir bald. Nichts kann mich aufmuntern, als Ihre Briefe; dochmuß ich Ihnen gestehen, der letzte traf mich in einer Verfassung,worinn mir alles gleichgültig war, so daß ich auch Ihren Brief wohlzwey Stunden uncrbfnet liegen ließ. Sie können denken, daß cS arggewesen seyn muß. Doktor M- könnte Ihnen dieses am besten schil-dern. Er war gegenwärtig, und hat manche Thräne um mich vergossen.
Leben Sie wohl, mein bester Freund! Ich binIhre
aufrichtige FreundinnE. C- König.
Mein lieber Freund!
Eigentlich weiß ich nicht, was ich Ihnen gestern geschrieben. Ichbefürchte, ängstlicher, als ich nun thun würde, da ich mich schon mehrerholet. Mein Muth, alle mir sonst eigene Standhaftigkeit war weg;aber nur auf vier und zwanzig Stunden. Mein Bruder, der Pro-fessor, hatte mit den besten Absichten mehr dazu beygetragen, als allesandere. Er sprach von Armuth, von der Unterstützung, die er Lebens-lang seiner Schwester reichen wollte. Sie urtheilen leicht, was fürEindruck solche Reden auf mein ohnedem schon niedergeschlagnes Ge-müth machen mußten. So wie ich aber nur erst wieder denken konnte,so konnte es mir an Trost, an Ermunterung nicht fehlen; und cS wirdmir um so weniger daran fehlen, wenn ich erst wieder recht gesundbin. — Dieses schreibe ich zu Ihrer Beruhigung. Weiter kann ichIhnen für heute nichts sagen, weil die Post in einigen Minuten ab-gehet. Nur dieses füge ich hinzu, daß ich Lebenslang seyn werde
Ihre
aufrichtige FreundinnE. C. König.
Bedauern Sie die arme Z. Ihr Kind liegt ohne Hoffnung, undsie ist auch noch sehr schwach.