333
Mein lieber Freund!
Kommen Ihnen meine Briefe zu häufig, so denken Sie sich dieLage, in der ich bin: daß ich ohne den Trost, mich mit einem wahrenFreunde darüber zu unterhalten, unfehlbar erliegen müßte. Ich suchemich zwar aller traurigen Gedanken zu einschlagen, allein mein Kör-per — häuptsächlich der Kopf — ist noch zu schwach, um anhaltendmeiner Meister seyn zu können. Nie habe ich Gott mit munterermEifer gedankt, als für den Freund, den er mir in Herrn Schubachzuwies. Er ist der edelste, der rechtschaffenste Mann; allein so sorglich,so nachdenkend, wie ich leider! selbst bin. Alle möglichen Unglücke,die nur kommen können, sagt er mir vor. Er fürchtet, daß das Ka-pital in der Wiener Fabrik wie im Lotto lieget, und daß ich also nichtallein alle das Mcinige — mein Erbtheil mit eingerechnet — verlie-ren, sondern auch meine Glaubiger zu kurz kommen können. Fürmich, die das Werk kennet, ist zwar wenig Wahrscheinlichkeit, daßdiese betrübte Prophezeihung in Erfüllung kommen könne, oder werde,allein denken Sie selbst, wenn einem so was so öfters wiederholet wird,so wird man zuletzt betäubt, und trauet seinem eigenen Urtheile nichtmehr. Am Tage bin ich meiner mächtig; wenn ich aber in der Nachtauf einen solchen Gedanken komme, so weiß ich mich nicht wiederheraus zu finden. Wenn ich nur erst wieder gesund wäre, so würde ichgewiß keinen Augenblick unruhig scvn. Denn weder mein Herz nochmein Gewissen machen mir einen einzigen Vorwurf; vielmehr gebensie mir das Zeugniß, daß ich in allen Stücken so gehandelt, wie ichhabe handeln müssen! — Gottlob daß ich die, an denen mir gelegen,hiervon nicht erst überführen darf. Unter diese zähle ich Sie. Nichtwahr, ich darf es kühnlich thun? Mein Schicksal mag also noch sohart seyn, so kann ich ihm getrost entgegen sehen. Die Vorsehung,die es über mich verhängt, wird eS mich auch gewiß ertragen lehren.
Ich wünschte nichts mehr, als wenn Sie doch nach W. reisensollten, Sie mit meinem Schwager zugleich reisen könnten. Sie wür-den ihm sehr nützlich seyn können. Denn er weiß sich in wenig Um-ständen des Lebens zu rathen. Ich würde deswegen lieber die Reiseselbst thun; nicht, daß ich mir für mich allein mehr zutraue; sondernmit Hülfe guter Freunde glaubte ich mehr bewirken zu können; alleinich darf eS njcht wagen, und das aus vielen Gründen nicht.
Die gute Madam Z, beklagen Sie wohl auch mit mir. Sie hatihre Tochter verloren, und ist selbst noch sehr elend. Sie hat dieBräune. Ob diese gleich ansteckend ist, so hätte ich sie zu anderer