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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lesfing, 1771.

Zeit demohngeachtet besucht; aber jetzt ist mir mein Leben zu lieb.Meine Kinder konnten mich ehemals cher entbehren, als jetzt, da ih-nen vielleicht nichts übrig bleibt, als der Trost, noch eine Mutter zuhaben, die wenigstens alles anwenden wird, für ihre Erziehung zu sorgen.

Verzeihen Sie, wenn ich Sie wiederholt bitte, diese Briefe wohlzu verwahren. Auf die Verschwiegenheit kömmt cS hauptsächlich an,sonst bin ich gewiß verloren.

Von Herrn von W, habe ich noch keine Antwort. Aber H. schreibt,wenn v. W- nur erst Briefe von mir hätte, so würde er gleich beru-higet seyn. Dieser giebt mir überhaupt gute Nachrichten: daß derAbsatz sich ansehnlich vergrößert, und daß alles Ucbrige gut gehet.

Sie sehen hieraus, daß der Schritt, den ich gethan, auS bloßerVorsicht geschehen, damit die Meinigen mir nicht den Vorwurf ma-chen können, daß ich das Gewiß- Fremden gegeben, und daS Unge-wisse für sie übrig gelassen hätte; weil sie denn doch daS Wiener Werkfür so sehr ungewiß halten.

Wenn die morgende Post was Neues mitbringt, so gebe ich die-sem Briefe noch einen Anhang. Ich habe ihn heute geschrieben, weilich nicht weiß, ob ich morgen dazu geschickt seyn würde. So vielweiß ich, daß ich unter allen Umständen, sie mögen kommen, wie siewollen, unverändert von ganzem Herzen seyn werde

Ihre

ergebene FreundinnE. C- König.

Ich befinde mich heute ungleich besser, als gestern, und so wirdes alle Tage besser werden. Wenn ich nur beständig höre, daß Siewohl sind, und daß Sie mein Freund seyn und bleiben wollen.

Die heutige Post hat mir keine Wiener Nachrichten, aber docheine angenehme Nachricht gebracht, nehmlich diese: daß 1500 Gul-den, die ich bey einem AugSburger Hause, so kürzlich fallirt, zu ver-lieren geglaubt, glücklich gerettet sind. Wollte Gott , alles anderewäre auch so weit! Es wird aber auch wohl dazu kommen. An allem,was ich dazu beytragen kann, werde ich es nicht fehlen lassen, dasUebrige will ich der Vorsehung anheim stellen. Das Angenehmste fürmich ist, daß diejenigen, so auf mich hätten können böse werden,meine besten Freunde gewesen sind.

Leben Sie wohl, bester Freund, und schreiben Sie mir ja rechtbald. Wenn Sie erst wissen, zu was man Sie in W. destiniret, sosagen Sie's mir.