Trauerspiel? oder seitdem Du die Minna fertig hast? Welche Feile!Ohne allen Zusatz! ganz rein gediegenes Silber! Welche Scene mitdem Maler/ einem Maler/ der seine Kunst versteht/ auch ein wenigEnthusiast ist: denn daS gehört mit zur Vollkommenheit der Kunst;kurz/ welche Exposition! Du scheinst dieses der Kritik, und nichts Dei-nem Genie zuzuschreiben. Ich will es glauben; aber der Himmel hatDir gerathen, zu sagen: Deiner eignen Kritik; nicht der, welche wirgleichsam vom 'Hörensagen haben, wenn sie auch die allerbeste wäre.Die Kenntniß von der Malerey, so wie hier, wird gewiß nicht gelehrt.Und die Scene mit dem Minister! — Bruder, wenn ich heute Zeithätte, würde ich Dir in drey Seiten sagen, wie sehr sie mir gefallen hat.
Lebe wohl! Vergnügt mußt Du allerdings scvn, da Du über einemvortrefflichen Werke bist.
Dein
treuer Bruder,Karl.
Mein liebster Freund!
Morgen hoffe ich zu hören, daß Sie wieder vollkommen wohl sind,und über vierzehn Tage denke ich mich augenscheinlich davon zu über-zeugen. Denn meine Abreise bleibt noch immer auf den 45ten fest-gesetzt. Meine Geschwister sind zwar ganz und gar nicht damit zufrie-den, daß ich mich in dieser Witterung wage; ich soll das Frühjahrabwarten. Sie wissen aber nicht, wie einem zu Muthe ist, der so imUngewissen lebt, wie ich. Die Folter kann nicht peinigender seyn.Zumal wenn man noch überdies täglich andre Kränkungen erfähret,von einer Person, von der man nichts als Freundschaft hätte erwartensollen. Ich könnte über diese Materie ganze Bogen voll schmieren;es würde aber zu nichts dienen, als meine Empfindlichkeit noch mehrzu reizen. — So viel ist gewiß, wäre Herr Schubach nicht mein sotreuer Freund, ich überstünde diese Epoche nicht. Nur Schade, daßich diesen zu sprechen so selten Gelegenheit habe.
Eben den Augenblick erhalte ich wieder einen Brief vom Professor,worinn er mich inständigst bittet, wenn es möglich sey, meine Reisenoch aufzuschieben. Er denkt, daß durch diesen Aufschub ich mich nach-her so einrichten könnte, daß ich nicht wieder nach Hamburg zurück-kehren dürfte. Ich sehe aber nicht ein, wie das möglich zu machen,so sehr ich es selbst wünschte, und so vortheilhaft es wäre. Denn dasst gewiß, daß ich durch die Reise mein Vermögen vollends zusehe.