Briefe an Lessiiig. 1772.
3o7
Ob aber ich oder ein Anderer das Geld verreiset, ist im Grundeeinerley. Einer muß es thun, und dann so werde ich täglich mehrüberzeugt, daß ich unbesonnen handeln würde, wenn ich meine Wohl-fahrt in diejenigen Hände lieferte, denen ich sie anzuvertrauen Willens war.
Um meine Gesundheit seyn Sie nur ganz unbesorgt. Just dieReise wird mich wieder völlig herstellen. Ich werde zwar, außer demVergnügen Sie zu sehen, wohl nicht viel Freude auf der ganzen Reisehaben; allein dieses Vergnügen ist auch so groß, daß es mich völligschadlos hält. Sie glauben nicht, wie sehr ich mich freue, und wiesehr ich mich erst freuen werde, wenn ich Sie recht wohl finde. —Könnten Sie uns doch begleiten! — Ich sage uns, und weiß doch nochnicht, ob ich nicht allein reisen werde. Denn auch hier verläßt meinS ° ° seine gewöhnliche Art nicht, unschlüssig zu seyn. Und gehet dernicht mit, so nehme ich niemand mit, Sie möchten mich denn rechtsehr darum bitten. DaS thäten Sie aber wohl so leicht nicht?
Alles Neue, was ich Ihnen heute schreiben kann, ist: daß unsrereiche W- gestorben ist. Sehen Sie, daß ich eS nicht übel meinte,wenn ich sie Ihnen ehedem zufrcven wollte? Und dann wäre sie wahr-scheinlicher Weise noch eher gestorben, da sie nun, wie gesagt wird,von Aergerniß gestorben seyn soll, die ihr ihr Mädchen verursachthat, der sie ein Pakctchcn mit 20 Dukaten gab, um es wohin zubringen, und zugleich ein andres mit einigen Marken, um Mehl vomKornhauS zu holen, wozu nur Arme berechtiget sind. DaS Mädchengab aus Versehen das Pakctchcn mit Dukaten für das Mehl, undhierauf wurde Inquisition angestellt, für wen sie das Mehl holte.Sie wußte sich nicht zu helfe», und gestund die Wahrheit; man gabihr also kein Mehl, und behielt auch die Dukaten. Die Erben werdenmit diesem Vorfall nicht übel zufrieden seyn. —
— Unser guter Bodc wird sich ärgern, daß er nicht mehr unterihre Erben gehört.
Mich ärgert in dem Augenblicke nichts, als daß nicht heute der-16. Febr. schon ist. Wenn ick) aber bedenke, daß der 17te dem lotenso bald folget, so möchte ich fast bedauern, daß er so nahe ist.
Leben Sie wohl, und schreiben Sie mir ja noch fleißig. VergessenSie den Brief an den StaatSrath G. nicht, noch wenigcr
Ihre
FreundinnE. C. König.