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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lessing . 1772.

gcr mich begleitet/ so ist cS mißlich, ob ich Sie i» Wolfenbüttel be-suchen kann. Wenn ich über Leipzig gehe, so komme ich nicht aufWolfenbüttel , und cS ist noch nicht entschieden, ob ich nicht diesenWeg nehme, sondern hängt noch von einigen Umständen ab. Aufallen Fall haben Sie die Gewogenheit, und schicken den Brief an denStaatsrath G. dem Herrn Zachariä, damit ich ihn gewiß mit kriege.Denn wenn ich ihn nicht gleich bey meiner Ankunft habe, so kanner mir nicht mehr viel nutzen. Daß ich ihn lieber aus Ihren Händenempfinge, brauche ich Ihnen wohl nicht zu sagen. Wenn Sie abervon Braunschwcig schon wieder weg wären, so wollte ich Ihnen nichtzumuthen, meinetwegen wieder dahin zu kommen.

Die Dänische Post ist gestern ausgeblieben, und darum haben wirauch keine Neuigkeiten daher. Falkenschild ist an Stur; seiner Arre-tirung einzig und allein Schuld, weil er, indem man ihn arretirte,frug: ist Sturz auch schon arretiret? Ich denke noch immer, daßer unschuldig seyn wird, und wenn er das ist, wird er auch bald wie-der frey seyn. Haben sie doch Duval gleich wieder losgelassen.

Die Zeitung, worinn B-.s Zurückberufung stand, ist hier garnicht ausgegeben. L.. g hat sich diesmal übereilet. Vermuthlich weiler glaubte, es könnte nicht anders seyn, so ließ er den Artikel in dieZeitung setzen, ohne erstB** darüber zu sprechen. Wie er nun, nach-dem er alle Posten cxpedirt hatte, zu diesem kam, und B " ihm sagte,ihm wäre von alle dem, was er von ihm gemeldet, nichts bekannt, sowurden noch in derselben Nacht andre Zeitungen gedruckt. Indeß magsic's nicht wenig ärgern, hauptsächlich weil die, so ins Dänischegehen, auch bereits abgegangen waren.

Unser guter Z. hat vorige Woche eine Lähmung in der rechtenSeite bekommen. ES bessert sich aber schon wieder. Der Grund zudieser Besserung ist wohl der guten Verpflegung seiner Frau zuzu-schreiben. In allem Ernste, sie verläßt ihn fast nie.

Eben verläßt mich Herr Sch-, der sich drey Stunden bey miraufgehalten. Die Unterredung, in der er mich gestört, war allerdingsangenehmer, als die, so ich mit ihm gehabt; denn diese läuft immeraufS Traurige hinaus. Er wird täglich mehr gegen die Wiener Fa-brik eingenommen, und hat mir deswegen heute gerathen, sie eoutv

coute zu verkaufen. Ich sehe auch wohl ein, daß nichts andersherauskömmt, und wünschte daher nur, daß sie schon verkauft wäre,oder daß ich wenigstens nicht die Reise darum thun müßte. Weilich gerne die Wiener Bilanz vor meiner Abreise hätte, so habe icheben mit Herrn Sch. abgeredet, mich »och etwan acht Tage länger