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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
Seite
366
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Z66

Briefe an Lessing . 1772.

Wider die Anmerkung Deines letzten Briefes habe ich noch etwas,wenn ich gleich wider die Emilia künftig nichts mehr haben werde;aber ich will Dir nicht eher davon vorplaudern, als bis ich Dir dasEnde Deiner Tragödie abgedruckt schicke. Wie sind bey Döbbelindie Rollen ausgetheilt? Hier hat man sie auch schon austheilen wol-len; allein ich habe gebeten, so lange, bis sie alles haben, anzustehen.Und ich denke, ich habe Recht. Der alte Galotti ist gewiß eine wich-tige Rolle, und ich weiß nicht, ob Schubert, ein sonst ziemlich guterActeur, wie Du selbst weißt, ihr, seinem Aeußcrlichcn und Innerli-chen nach, gewachsen ist.

Hast Du Cumberlands Westindier von Bode übersetzt gelesen?Nicht wahr, auch ein schönes Stück?

Ich umarme Dich, und bin Dein

treuer Bruder,Karl.

Halberstadt , den 1. März 1772.

Seinem liebsten Lessing sendet der preußische Grenadier, dessenwarmer Freund mein lieber Lessing war, und ohne Zweifel noch im-mer ist, durch mich hierbey in der größten Eil ein Bändchen so ge-nannter Lieder für's Volk, und bittet, ihm zu sagen, ob sie nebenden Liedern/ von welchen sein Lessing der Pflegevater war, eine Stelleverdienen, und ob, wenn dieses ist, sie Lessing mit einer kleinen Vor-rede, die den Leser in den rechten Gesichtspunkt dieser Lieder setze, aufwelche Art von Vorreden sein Lessing sich so gut versteht, sich bemü-hen will. Will dies sein Lessing , dann wird er, glaub' ich, seinemFreunde, dem Grenadier, es nicht übel nehmen, wenn er auch nochbittet, eine solche kleine Vorrede (die längere steht in seinem Belie-ben) aufs spätste in vierzehn Tagen mir zu überliefern, und zugleichdas Bändchen der Lieder zurückzusenden, weil zum baldigen Druck der-selben schon Anstalt gemacht ist.

Gleim.

Rattelsdorf , den?, März 1772.

Mein lieber Freund!

Noch sitzen wir in RattelSdorf, zwey Meilen diesseits Bamberg ,ohne zu wissen, ob wir heute, morgen, oder übermorgen wegkommen.Beynahe ist meine Geduld alle erschöpft. Man kann sich nichts Un-