37t
angegriffen, daß ich die Nacht nicht werde davor schlafen können."Wir diSvutirten eine Weile über die Emilia, und endlich fragte ich ihn,ob er denn gar nichts gefunden, daS er besser oder anders wünschte?Und was dächtest Du wohl, was eS war? Der Prinz; der scheint ihmim Anfange thätiger und tugendhaft, und am Ende ein unthätigerWollüstling. Und hiermit bin ich nicht zufrieden. Nicht darum, weiler mich widerlegt hatte, sondern weil ich Gründe habe, daß der Prinzso scpn muß. Er nimmt sich der Regierung an, er ist ein Liebhabervon Wissenschaften und Künsten, und wo seine Leidenschaften nichtins Spiel kommen, da ist er auch gerecht und billig; er ist überdiesfein, und hat allen Schein eines würdigen Fürsten: aber das sind nochnicht die rechten Beweise, daß er cS wirklich ist. Folglich hast Duuns an seiner moralischen Güte noch immer zweifelhaft gelassen; undnur gezeigt, wie heul zu Tage Prinzen von guter Erziehung, welchedie Natur nicht ganz unbegabt gelassen, seyn kdnncn. Seine Tugendsoll in seiner ungerechten Liebe gegen Emilia mit dem Marinellt ge-prüft werden, und da halt sie nicht die Probe. Daraus entsteht danndie schreckliche Handlung des alten Galotti, welcher sonst unmenschlichan seiner Tochter handelrc, wen» sie von ihren Verführungen andersgerettet werden könnte, und er cS nicht thäte. Kurz, gegen die Oeko-nomie des Stücks und gegen die Ausführung der Charaktere, dächteich, könnte nicht so leicht etwas eingewendet werden. Von DeinemDialog meynte MoscS: cS schiene ihm, als ob Du hingerissen wordenseyst, die Frauenzimmer gar zu nachdrücklich, gar zu präcis und kräf-tig sprechen zu lassen. Aber mir dcucht, daß cS Vorsah von Dir ist,hier die Sprache etwas anders zu machen, als sie von Natur seynsollte. Denn was reiht nach vielfältiger Wiederholung des Stücks, eSimmer wieder zu lesen? Die körnichte Sprache und die Charaktere.DaS Schicksal der Hauptpersonen ist uns bekannt, und daS Stückmacht nur noch vermittelst der beyden ersten Vorzüge auf uns Eindruck.Ein langes süßes Gerede wird nach dem ersten Lesen fade und ekelhaft;so wie das süßsprcchcnde Mädchen im öftern Umgange lästig wird,wenn eS nicht unsere Geliebte ist. Viel Worte, ohne große Wahl undSparsamkeit, charaklcrisircn das weibliche Geschlecht; aber je mehrman diesem Kennzeichen entsagt, desto größere Dienste thut man denZuhörern.
Ramler hat der Emilia gegen mich nur allgemeine Lobeserhebun-gen ertheilt, und mich versichert, daß er sie in einem Tage in dreyverschiedenen Gesellschaften vorgelesen habe; kurz, er schien außeror-dentlich damit zufrieden zu seyn.
24»