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legen, besonders Moses Urtheil. Die Steinbrecher!« jun. hat die Emi-lia besser gespielt, als man vermuthen konnte. Sie hat freylich nichtdaS jugendliche Ansehen, das ihr zu dieser Rolle zu wünschen wäre;auch machte sie mir einige Stellen nicht lebhaft genug. Aber sie hatnicht allein alles, waS ans Naive gränzt, sehr gut gemacht, sondernauch, waS daS meiste ist, ihre ganze Rolle, bis auf einige Kleinigkei-ten, verstanden. Ein wenig mehr Feuer wird sie sich vielleicht künftiggeben können; denn man hat eS ihr gesagt. Die Orsina hat die Ko-chin doch noch besser gespielt, als ich mich zu erwarten getrauete. WaSsie verstanden hat, daS heißt ein starkes Drittel der Rolle, ist ganzgut gewesen. Freylich hat sie wohl an zwey Drittel nicht verstanden;aber die Rolle ist so schwer, daß wenige Schauspielerinnen sie ohneBeyhülfe ganz werden fassen können. Ihr größter Fehler war, daß siedie Reden, die sie aus Phantasie sprechen sollte, aus richtiger Ueberle-gung sprach. Ich glaube aber doch, daß man ihr noch wird begreiflichmachen können, daß ihr Geist abwesend scheinen muß, wenn sie gewisseDinge sagt; und dann wird diese so sehr schwere Rolle von ihr leidlichgemacht werden.
Brückner ist, wie Sie wissen, in seinem Spiele ziemlich auf Drathgezogen; dies hat er auch in seinem Marinelli gestern nicht verläug-net. Ganz war er der geschmeidige Hofmann nicht. Aber dennochwar Vieles ganz gut, sonderlich für das allgemeine Publicum; kurz,Brückner hat den Charakter so gut gespielt, als er ihn, nach seinereinmal angenommenen Spielart, spielen konnte. Ich glaube auch, auSeinigen DiScursen gestern Abend, daß er einige Stellen künftig nochfeiner machen wird.
Herlitz hat den schwachen Hcreore zu einer Majv — gemacht.So schwach haben Sie ihn nicht haben wollen. Aber freylich warkein anderer Spieler da, der den Prinzen hätte mit allen den feinenNüanzen machen können, die Sie diesem Charakter gegeben haben.
ES ist ein großer Fehler, daß der Odoardo Schuberren, undnicht Schmelzen gegeben worden, der den Mahler macht. Dies kommtdaher, daß die Rollen ausgetheilt und auch zu lernen angefangenwurden, als erst drey Acte hier waren. Man hatte nicht daran gedacht,daß der Vater im vierten und fünften Act solche wichtige Scenenhaben könnte. Der gute Schubert macht, sein gewöhnliches Perorircilausgenommen, einige etwas ruhige Stellen ziemlich gut; aber zur Hef-tigkeit fehlt ihm Stimme und Stellung, und noch mehr mißlingt ihmder innerlich kochende, äußerlich kalte Zorn.