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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
Seite
394
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Briefe an Lessing . 1772.

ten Sie ihm denn doch, wenn cS Ihnen auch sauer ankömmt, wasich gern glaube, daß cS muß.

Von meinen Angelegenheiten kann ich Ihnen das einzige Ange-nehme melden: daß ich einen Mann gefunden, und zwar einen Mannvon großem Gewicht, der, wie ich glaube, beynahe so denkt, wie HerrSchubach. Wenigstens muß ich es daraus schließen, weil er michden einen Tag seines Beystandes versicherte, und mir den andern gleichMerkmale davon gab. Sein Rath geht dahin, mir fürs erste nichtmerken zu lassen, daß ich die Fabrik nicht weiter fortsetzen will oderkann, sondern mich nur zu beschweren, der Absatz sey immer schlechtgewesen, und bis jetzt noch schlecht. So werde man gewiß alle Hand-reichung thun, mir vom Lager abzuhelfen. Und wäre dieses erst auf-geräumt, so sey natürlicher Weise der Fond der Fabrik um so vielgeringer, wo sich alsdenn leichter ein Käufer dazu fände; oder mansänne dann auf andere Wege, wie ich mich derselben entschlagcn könne.Der Rath ist vortreflich, und für mich der nützlichste. Allein wie langekann cS auf diese Weise dauern, ehe ich zu den Meinigen zurück, ge-schweige aus der Verwirrung komme? Und wie wird eS mit meine»Creditorcn aussehen? werden die sich so lange gedulden wollen? Schwer-lich, daß cs einige können, wenn sie auch wollten. Urtheilen Siealso, was ich zu thun habe, um mich in der Fassung zu erhalten, inder ich bleiben muß, wenn ich etwas ausrichten will. Der Anfangzum Absatz des Lagers ist schon gemacht. Gleich des andern TageSfand der redliche Mann Gelegenheit, einem gewissen Kaufmann zudienen, wobey er die Bedingung machte, mir einen ansehnlichen TheilWaaren abzunehmen, wozu derselbe sich auch willig verstanden. Sowerden wir also mit langsamer Hand weiter gehen. Wie gesagt: wennmeine Gläubiger nur nicht die Geduld verlieren, die meinige will ichschon zu erhalten suchen.

Die Zeit wird ausweisen: ob ich die Tapetenfabrik werde erhaltenkönnen. Ich kann nicht thun, waS ich will, sondern waS ich muß.Warum ich sie hauptsächlich gern erhielt, wäre: sie brächte mich derErfüllung meiner Wünsche näher. Denn wenn sie auch nur so fort-geht, wie sie geht und gewiß geht sie besser so kaun ich meineKinder ganz gut davon erziehen: da hingegen das Kapital, was HerrSch. für mich zu retten glaubt, wohl sehr vermindert werden möchte.Wenn dieses nicht wäre, so glauben Sie nur, wir würden glücklicherund angenehmer in Wolfenbüttcl als hier leben. Je mehr ich Wien kennen lerne, desto weniger gefällt es mir. Doch vielleicht ist die Si-