Briefe an Lcssing. 1772.
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tuation, worin» ich nun bin, und in der es mir wohl nirgends ge-fallen würde, einzig und allein daran Schuld.
Nach den Nachrichten/ die ich von Hause habe, ist das Urtheilan Struensee und Brand wicklich vollzogen. Mich soll verlangen,was man von dem Prozeß bekannt machen wird, und was sie mit derKöniginn vornehmen werden. Sie dauern mich alle recht sehr. Frey-lich hatten sie ihre Köpfe lange verloren, sonst hatten sie sich in ihremGlücke besser zu benehmen gewußt!
Und nun rechnen Sie cS mir zu keiner Eitelkeit, oder wie SiecS sonst nehmen könnten, wenn ich Sie frage: haben Sie mein Por-trait erhalten? ES ist bereits vor sechs Wochen an Sie abgeschickt,und ich wollte nur nicht, daß cS verloren ginge.
Ich hoffe, daß eine Antwort auf meinen letzten Brief mir schonganz nahe ist, und das mit den besten Nachrichten von Ihrem Befin-de». Machen Sie sich nur Bewegung, und zerstreuen sich, so werdenSie Ihre dauerhafte Gesundheit bald wieder erhalten, und waS nochmehr: schreiben Sie mir ja oft, an meinen Antworten soll cS nicht fehlen.
Mein Schwager empfiehlt sich. Ich bin unveränderlich, mit denaufrichtigsten Gesinnungen,
ganz die IhrigeE- C- König.
Eben da ich diesen Brief versiegeln will, bringt man mir IhrAngenehmes vom ltcn. Ich habe es nur erst flüchtig überlesen, weilich eilen muß, wenn anders dieser Brief heute noch fort soll. Gott-lob, Sie sind wohl, das ist genug, und vermuthlich wissen Sie nunauch, daß ich es bin.
Leben Sie wohl! Künftige Woche mehr!
Ihre vielfältigen Geschäfte, Reisen, und Zerstreuungen, recht-fertigen Sie, auch bey den strengsten Freunden, und söhnen sie mitIhnen auS, sollte die Länge JhreS StilleschwcigenS die Sehnsucht nochso sehr anstrengen. Bey mir allemal brauchen Sie solcher Entschul-digungen nicht, die nicht nur an sich gültig sind, sondern auch einemvon selbst bevfallen müssen. Allemal habe ich Ursache, mich für dasGeschenke zu bedanken, das ich vor wenig Stunden von Ihrer Handerhielt. Meine Frau wird ihre Schuldigkeit für das ihrige beobach-ten. Sind wir nur bey Ihnen wohl angeschrieben, so sind und bleibenwir Ihnen dafür verbunden, und überlassen eS Ihrer Bequemlichkeit,und den Zeitumstandcn, nach Dero Willkühr und Befinden, uns schrift-