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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lcssiug. 1772.

liche Versicherungen von Ihrem Wohlwollen zu geben. Das Manu-script vom LibaniuS schicke ich hiermit nebst großem und schuldigenDanke wieder zurück. ES hat mir sehr gute Dienste gethan. Lässetmich Gott leben, und sehet er mich in den Stand/ auch diesen ^.n-ctm'em, wie ich mir vorgenommen habe, ans Licht zu stellen, so solldie gelehrte Welt, die Größe Ihrer Gefälligkeit, und den Werth deSCodicis erfahren, der gewiß nicht zu verachten ist. Wollten Sie die-ser Wohlthat noch eine neue hinzufügen, daS ist, mir auch den scho-nen Codieem von Libanii und Syncsii Briefen auf Pergament, denich auf der Herzoglichen Bibliothek gesehen habe, zum Gebrauch aufeine kurze Zeit zukommen lassen, so würden Sie nicht mich allein,sondern auch den Libanium selbst in der Erde, und alle Liebhaber des-selben sich verbinden. Ich kann Ihnen nicht gnug sagen, wie großeStücke ich auf diesen Hutoiem halte. In dem feinen und galantenBricfstvl kommt er dem PliniuS bey, ja je zuweilen übertrift er ihn.Unter den alten kenne ich keinen, der mit Wohlanstand und gr-weso Complimente schneiden könne. Seine Deklamationen stecken sovoll drolligtcr Laune, beisscnder Satvrc und treffender Charaktere, (unddas alles in der wahrhaften Sprache des Dcmosthcncs, das ist, in demauserlesensten Griechischen) daß ich mich nicht genug wundern kann,wie ein Mann, von dem unsere schönen Geister gar vieles hätten ler-nen, oder bey dem sie doch wenigstens, uralte Muster solcher Züge,die man für nagelneu hält, hätten finden können, so sehr hat verbor-gen bleiben können, daß gar viele, welche doch mit Horaz und Terenz,und was dem ähnlich ist, gar wohl bekannt sind, vor seinem Namenbeynahe erschrecken dürften. Die Ucbersenduug deS gedachten ('«diel»n,elnlii'!ma«:e!, überlasse ich Dero selbst eignem Ermessen, ob man ihnsicher auf die Post geben könne, oder ob cS rathsam sey, die Mcßge-lcgenheit zu erwarten. Hätte ich gleich jetzt im Sommer mehr Museals im Winter, einen solchen Eodiccm recht zu gebrauchen, so beschcidcich mich doch, wie billig ist, daß meine Bequemlichkeit dem Interesseder herzoglichen Bibliothek und Ihrer eignen Sicherheit, mein werthesterHerr Bibliothekar, nachstehen müsse. In dem t'»<1Iec! vliarlneeo c>j»i-teulorum I.ili-znii, den ich durch Herr Gäblcr wieder zurücksende, ste-hen, wie Sie selbst wissen, das erste Buch von PIuIuÜi^ü im.ixlmln^,Auszüge aus ^»tonini I'IiiIos»,>I>l Betrachtungen über sich selbst,und einige ^s,lgi»inmula aus der gedruckten griechischen Anthologie,Von diesen letztem würde ich, Dero Begehren zufolge, eine etwas ge-nauere Nachricht beygelegt haben, wenn ich mein Register über dieAnthologie zur Hand gehabt hätte. In wessen Händen aber das sey,