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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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397
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Briefe an Lcssing. 1772.

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wisse» Sie Herr Bibliothekar. In Ihre Geldrechnung kann ich michnicht finden. Ich für mein Theil bin mit den 25 Thalern, die Siemir dießmal zugeschickt haben, zufrieden, und bezeuge hiermit, daß ichbis auf den heutigen Tag, an Ihnen weiter nichts zu fordern habe,noch haben will. Da sind IZnncli»! Lal->Iozu8, Marklands Stativs,und der fünfte Band meiner viatoium mit eingerechnet und bezah-let. Stehet Ihnen die Rechnung nicht an, so richten Sie sie nachIhrem eignen Gutdünken ein. Ist die Quittung für die herzoglicheBibliothek nicht recht, so bitte mir eine Vorschrift aus', wie sie seynmüsse, so will ich sie anders schreiben. Bey Ueberscndung des <üata-lo^i Laullinikmi, ist freylich ein grobes Versehen mit unter gelaufen.Den dritten Theil hatte ich für mich zurück behalten wollen, alleinaus Ucbcrcilung war daS ganze Päckgcn, wie ich eS auS Holland be-kommen hatte, Ihnen zugeschickt worden, ohne die nöthige Vorsicht,es vorher zu theilen. In so weit haben Sie also, werthester Freund,wohl recht, wenn Sie das Ihnen zugcfcrtigte Exemplar übcrcompletnennen. Aber in dem andern Punkte kann ich Ihnen nicht recht geben.Es war nicht defcct. Hätten Sie nur den zweyten und dritten Theilgleich dort behalten, und mir mehr nicht, als das überzählige Exem-plar vom dritten Bande wieder zurück geschickt. Denn die herzoglicheBibliothek hat bereits den ersten Band. Ich besinne mich ihn dagesehen zu haben. Nehmen Sie sich nur die Mühe nachzusehen, sowerden Sie es so finden. Und ich erinnere mich noch sehr wohl, habecS auch gleich nach meiner Heimkunft in mein Tagebuch eingetragen,daß Sie mir aufgegeben haben, Ihnen den zwevtcn und dritten Theilvon dem (.'al»I»Ao rioi'eiitilK, zu verschreiben, weil Sie schon mitdem ersten versehen wären. Irrete ich mich aber doch, so geben Siemir nur einen Wink, so sollen Sie gleich unverzüglich auch den erstenBand von mir erhalten. Denn ich kann ihn allemal wieder aus Hol-land bekommen. Für die, meinen ungcstalten Papieren zugedachteEhre danke ich Ihnen zum Voraus. Wie werde ich mich freuen, wiesehr muß eS meiner Eigenliebe schmeicheln, wenn ich sehe, daß einLessing etwas daraus würdige hervorzuziehen. Sie haben vollkommneGewalt, sie nach Gutbeffndcn zu bcnuhcn. Als eben so großer Kunst-richter als Sie Dichter sind, müssen Sie am besten wissen, was inIhren Kram dienet. Ich bin mehr nicht als ein Grammatieus, ichbegnüge mich, was ein anderer tn einer andern Sprache gesagt hatte,in meiner Muttersprache, faßlich und getreulich nachzusagen. Das Be-urtheilen der Kunstwerke ist nie mein Werk gewesen. Auf Ihre Bey-träge zur Geschichte und Literatur freute ich mich, sobald ich die An-