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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe an Lessing . 1772.

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den, was ich bey der empfand. Den Prinzen machte Stephanie derAeltere, ich möchte fast sagen: so schlecht ivic möglich. Die schöne Scenemit dem Mahler, die verliert hier ihren ganzen Werth. Denn diespielt der Prinz und der Mahler, beyde zugleich so abgeschmackt, daßman sie möchte mit Nasenstübern vom Theater schicken. Stephanieivird täglich affcktirter und unerträglicher, besonders in seinem stum-men Spiele. WaS thut er zuleht in Ihrem Stücke? Er reißt seinohnedem großes Maul bis an die Ohren auf, streckt die Zunge langmächtig aus dem Halse, und leckt das Blut von dem Dolche, womitEmilia erstochen ist. WaS mag er damit wollen? Ekel erregen? WenndaS ist, so hat er seinen Endzweck erreicht.

Bey dem Theater wird bald eine Veränderung vorgehen. DerGraf Cohnri ist völlig ruinirt, und bereits in Ungarn für unmündigerklärt. ES sind ihm für sich und seine Familie 2000 Thlr. jährlichausgeworfen, ein großer Abstich von tkvoo Thlr., die er sonst Ein-künfte hatte. Man hofft, daS Theater werde ihm auf künftigen Win-ter »och bleiben, damit er sich in etwas heraus reißen kann. Alsdennglaubt man, wird es der Kaiser übernehmen. Ich wünschte cS. Siekönnen sich leicht vorstellen, warum.

Daß van Swietcn wirklich einmal tod ist, werden Sie nnn längstwissen. Seine Stelle, als LeibmcdikuS, ist durch den D- Störk er-seht; wer aber die bey der Bibliothek und Censur erhalten wird, weißman noch nicht. Ich glaube nicht, daß sein Tod großen Einfluß ha-ben wird; wenigstens nicht in die Sache, worauf Sie wohl denken.Die kommt schwerlich zu Stande, so lange nicht eine andere Verände-rung vorgeht. Und ich glaube mich nicht zu irren, wenn ich behaupte,daß R" den ganzen Plan verrückt hat. Man findet sich zu sehr mitihm betrogen, und sagt daher, daß er wirklich nun schon das einzigeMittel, sich zu behaupten, ergreift und umsattelt. Nachher soll er aufdrey Jahre nach Rom gehen, und dort lernen, was man glaubte, daßer schon wüßte. Daß Sie dieses aber ja nicht nacherzählen! Mankönnte sonst leicht auf den Verdacht gerathen, daß cS von mir käme.Ich habe so schon einigemal geglaubt, aus G"S Miene schließen zukönnen, daß er einigen Wink hat, worauf sich unsre Freundschaft grün-det. Vermuthlich durch R'*. Wie ich höre, soll der beständig umund bey ihm seyn, und außer ihm niemanden sehen.

Es giebt mir eine schlechte Idee von G" *. Denn außer ihm istdoch auch kein Einziger, der R"' nicht für die elendeste und krie-chendste Kreatur von der ganzen Welt hält, und es darf nur das Ver-theil von dem wahr scv», was man von ihm erzählt, so ist er cS gewiß.