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G- hat neulich in meiner Sache im SlaatSrath rcfcriret, undzwar sehr zu meinem Vortheil. Den vorigen Schnickschnack muß eralso nur um etwas zu erzählen angebracht habe».
S. hat nun auch das Einzige was ihn hier noch einigermaßen inAnsehen erhalten, die Censur, verlohren. Er giebt G°° die Schuld.Ich glaube aber chender, daß er es sick selbst bcizumcsscn hat.
Nun leben Sie wohl! und erfüllen Sie meine Bitte, damit ichnach so viel traurigen Stunden, wieder einmal eine freudige erlebe.
E- C. K-
BreSlan, den 7. November 1772.
Liebster Bruder,
Du bist wieder einmal mißvergnügt gewesen? Und wie könntestDu es gewesen seyn, wenn Du gesund gewesen wärst? Machte DircS keine Erleichterung, Deinen Kummer mit mir zu theilen, so warcS doch grausame Schonung, ihn mir zu verschweigen. Eine Unan-nehmlichkeit hast Du mir erspart, und mich nun einer Marter aus-gesetzt. Denn Dein letzter Brief konnte bey mir keine andre Wic-kung haben.
„Meine Beyträge zur Geschichte und Litteratur, sagst Du, lassensich so hübsch hinschreiben." Das will ich Dir so buchstäblich glau-ben: denn ich bin ein Christ, der glauben und nicht raisonntrcn soll;aber ich weiß doch etwas, das sich noch besser so hinschreiben läßt.Eine Operette! Auf jedem Bogen ein lustiger Einfall, wie man ihntäglich unter nicht ganz vcrbutteten Menschen haben kann, und unterzehn Arien ein erträglicher Gassenhauer: das sollte Dir nicht leichterwerden, als die Beyträge? Was würde aber das lesende Publicumdazu sagen, denkst Du. Ach, die gute Schlasmütze sagt nichts! Wennman sich sonst kein Gewissen macht — man kann cS an Trebcr ge-wöhnen, und cS findet sie nach einiger Zeit so gut als die nahrhaftestenSpeisen. Giebt cS hin und her einen eigensinnigen Kopf, so hat erso wenig Stimme, als Voltaire unter den Geistlichen. Und unsrejetzigen lieben Kunstrichter sind wohlgczogene Leute, die an Streiten,Zanken, Widersprechen, Lästern und Spotten kein Wohlgefallen haben.Sie lieben zwar einander nicht, noch weniger ertragen sie einander:aber Ja können sie auf mannigfache Art sagen, wo sie Nein sagensollten; und umgekehrt.
Die Besoldung des Kochischen Theaters ist ein Mährchcn, womitsich die ganze Stadt vierzehn Tage geschleppt hat. Koch wird aber