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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
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Briefe au Lessing. 4772.

ich ihm: sagen Sie an Lessing in meinem Namen alles, was SieIhrem besten Herzensfreunde sagen würden; sagen Sie ihm aber auchzugleich, daß er mir bald und oft schreiben soll. Ich weiß nicht, obdie Art, wie ich das anSsprach, oder ob er würklich in meiner Seelelas, was drinnen vorging, ihm Thränen erpreßte; genug ich habe indem Augenblick die ersten Thränen in seinen Augen gesehen, und derAugenblick hat mich auch für vieles mit ihm ausgesöhnet. Ichwünschte nur, daß ich ihm noch gesagt hätte: Sie wüßten alle meineUmstände, und daher möchte er Ihnen die jetzige Lage der Sachen er-zählen- Sie ist zwar noch immer dieselbe; außer daß der Absatz, derseit meinem Hierseyn zugenommen, mehr und mehr zui'im"^, unddaß daS Kommerzium auch anfängt mir Hülfe zu leisten, und daß ichüberhaupt die Aussicht habe, daß sie mich fernerhin auf daS kräftigsteunterstützen werden. Meine Freunde haben sich ebenfalls erkläret, mirzu Fortsetzung der Fabrik- ihre Kapitalien lassen zu wollen. Es wirdnun darauf ankommen, zu was sich die übrigen Gläubiger verstehen.Wollen sich diese den Verlust gefallen lassen, der chender bei Verkau-fung der Fabriken entstehen würde: so will ich das Werk fortsetzen,anders aber nicht. Denn meine Freunde lasse ich nicht für den Restsitzen, mag cS mir denn auch ergehen, wie eS will. Nicht wahr, meinlieber Freund, ich habe Recht? In einigen Monaten muß eS nunentschieden werden. Entweder ich bleibe ganz hier, oder wenn alleSsoll verkauft werden, so muß ich doch wenigstens noch sechs Monatehier zubringen; welche Zeit ich mir für eine Ewigkeit vorgestellt habe,bevor ich die glückliche Aussicht hatte, Sie hier zu sehen. Ist eS dennaber auch gewiß? Haben Sie Ihren Plan auch in einer recht ruhigenStunde entworfen? Wenn daS auch nicht wäre, so dankte ich Ihnenschon dafür, weil er mir zu einem unendlichen Trost gereicht; vielmehrwenn Sie ihn vollführen, so werde ich Ihnen tausend und tausendDank sagen. Die Reise nach Italien muß ich mir freilich nicht dabeigedenken, sonst leidet die Freude einen ziemlichen Stoß. Allein ichdenke auch, daß eS dazu nicht kommen wird. Wenn Sie einmal hiersind, wird man Sie schon fest halten. Der Graf K- muß ein rechtbraver Mann seyn, daß er Sie auf solche gute Gedanken gebracht hat.Wenn er nur in einigen Monaten wieder durch Wolfenbüttel käme,damit er Sie darinn befestigte: und wenn Sie nur nicht mehr Schwie-rigkeiten beim Herzog finden, als Sie sich vorstellen. Ich bin gewiß,daß er Sie ungern verliert, und daß diese Reise den Weg dazu bah-nen könne, möchte ihm leicht einfallen. Ohne Ihre Stelle nicht ganzgewiß zu behalten, wollte ich Ihnen überhaupt nicht rathen, Wegzüge-