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Briefe an Lesfing, 1772.
unmöglich. Und wie Ricdcl sie das Erstemal sah, rief er aus- meinGott! nun will ich doch anch Wieland, Lesssng, und allen denenLeuten ihrem Geschmack nicht mehr trauen; denn so was abscheulicheshabe ich nie gesehen.
Dieser Brief blieb vorigen Posttag liegen, weil ich verhindertwurde ihn zu schließen. — Unterdessen habe ich einen Brief von Sch.erhalten. Der bleibt immer bei seiner alten Meinung: ich sollte allesverkaufen, und mich nicht daran kehren, cS möge herauskommen, wasda wolle. Er ist bange, daß ich eine gar zu große Last auf dem Halsebehalte. So aber wenn nun alles zu Gelde gemacht würde, und erdie Masse regulierte, denkt er so für mich sorgen zu können, daß ichzufrieden seyn würde. Er hat sich deswegen von allen GläubigernVollmacht auSgcbeten, die Masse nach seinem Gutdünken auS einandersetzen zu können. Von den meisten Fremden hat er sie auch schon er-halten, allein meine Freunde werden sie ihm schwerlich geben, wie ichvon meinem Frankfurter Bruder höre, von dem ich zugleich einenBrief erhalten. Meine Freunde wissen seine Absicht nicht, die ich ih-nen anch nicht schreiben mag, wie Sie leicht denken können. Was sa»gen Sie dazu? Ich gestehe gerne, daß ich Sch. Rath gerne folgte,und mir die große Last vom Halse schaffte. Wenn ich aber auch be-denke, daß ich jctzo die Aussicht habe, bei Fortsetzung des Werks dieGläubiger, so Geduld geben wollen, für Schaden bewahren zu kön-nen, so halte ich es für unverantwortlich, wenn ich cS nicht thue. —Für beständig die Fabriken zu behalten, ist so meine Absicht nicht. Eswäre denn, daß Ihr Plan reussirte. Sonst aber dächte ich, sie in eini-gen Jahren in einen solchen Stand zu sehen, daß cS mir alSdenn anKäufern nicht fehlen sollte. Wäre ich vom Anfang hier gewesen, sosollte eS mir setz» schon daran nicht fehlen. Die unbcdachtsame Art,wie hier gewirthschaftet worden, können Sie sich gar nicht vorstellen.Ich habe auch von der Seite nicht wenig Verdruß, weil man gewohntist, willkürlich zu agiren, und nur das zu thun was bequem fällt.
Nun bitte ich Sie inständig, schreiben Sie mir bald, und sagenSie mir recht aufrichtig Ihre Meinung: ob ich Sch. Rath folgen solloder nicht? Es wird zwar nur zum Theil von mir abhängen; wasdenn nun aber von mir abhängt, möchte ich gerne nach Ihrem Gut-dünken einrichten.
Seit gestern ist die betrübte Nachricht von A. I. Sohne hier.Sie hat mich sehr alterierct. Ich bcdaure den braven Vater von ganzemHerzen. Nicht wahr? es ist sein einziger Sohn?
Mein ältester Sohn macht mir auch vielen Kummer. Sein Scha-