446
Briefe an Lessina. 1773.
schob die gute Frau vors Loch. Man weiß aber darum doch wohlwieviel der Seiger geschlagen hat, und daß er bey dem guten Schickardauf 12 und nicht auf 2 oder 3 wieß. Freylich war es leichter ausdem Corpore L^rsnlino AuSjüge über die längst bekannte Geschichteder alten pcrsianischen Könige aus dem 3. bis 11. Seculo zu machen,als uns neue unerhörte Nachrichten aus ächten eingcbohrnen orienta-lischen Geschichtschreibern von dem Zustande Asiens in den mittlernZeiten vorzulegen. Denn solche IMtoi-ievs hatte er nie nennen ge-hört. Doch gesetzt auch, Schickard hätt- seinen ganzen Plan ausge-führet, wiewohl er das so wenig konnte, als ich mit meiner Hand andie Sterne reichen kann, so würde sein Manuscript für unsere jetzigeZeiten dennoch völlig überflüßig seyn. Mehr nicht hätte er sich damiterrungen, als höchstens etwa den Ruhm, die Bahn gebrochen zu ha-ben. Ihre Erinnerungen, mein lieber Lcsstng, über die in dieser fremdenGeschichte noch auSzubüssendcn Lücken, sind einsichtsvoll und gewisser-maßen richtig. Nur nimmt mich Wunder, daß Sie den Hauptautoremin dieser Sache übergehen, den Sie doch wissen konnten, den liesKulgnes, dessen Historie der Hunnen nur vor wenigen Jahren nochinS Deutsche übersetzt worden ist. Desgleichen deS Dow indianischeHistorie. Das letztere Werk habe ich noch nicht gesehen. Es mußaber auch in seiner Art ein Hauptbuch seyn. Des (Eignes aber fülletalle die Lücken, die sich Schickard gelassen hatte, hinlänglich aus.
Wie konnten Sie doch, allerliebster Mann, den entsetzlichen Wir-war, den der verdammte Franzose Ncvclet, der Wildfang, unter denbeyden Namen Romulus und RimiciuS gemacht hatte, so meisterhaftaus einandersctzen, und den so desperat verfitzten Knaul so behutsamund so glücklich entwickeln- Bald möchte man Sie beneiden. Wahr-haftig auch hier erkenne ich den großen Grammatiker. Erst schlingenSie den Knoten auf eine gefährliche Weise fest zu, daß einem ganzbange dabey wird. Sie treiben einen erst bis zur Verzweifelung, daßein solcher Knoten nie aufgelöset werden könne. Und denn wie derBlitz sind Sie mit Ihrer Catastrovhe da, aber mit einer glücklichen,sanften, leichten, natürlichen, sich von selbst ergebenden Catastrophe,Der Knoten reißt nicht unter Ihren Händen, nein, er geht gutwillig,ohne Zwang, ohne Gewalt, ganz gemach auseinander. Wahrhaftigdas ist Kunst. Aber sollte ich wohl recht haben, wenn ich vermuthe,liimicius sey Reineoke oder Keinr:oeiu8 oder liinaelus?
Wäre Ihnen denn wohl mit einer nähern Nachricht von dem fürverlohren gehaltenen großen Werke deck bekannten Caspcr Barth, ichmeyne die ungedruckte» Bücher der ^llvoi lariorum, gedient? oder