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steht das im Wege, daß das Werk sich auf her herzoglichen Bibliotheknicht findet? Man hielt cS für verlohrcn. Nun bat es sich wiedergefunden. Herr D- Ernesti hat das ganze an sich gebracht, und —was meynen Sie wohl, — auch ich habe einen ansehnlichen Theil des-selben mir erstanden. Zwey große mächtige Folianten habe ich bekom-men, für ein Spottgeld, für 1« ggl. Sie erstaunen. Ich kann Pa-rade damit machen. Nicht wahr, Sie werden lüstern?
Aber ich ermüde Sie, mein lieber geduldiger Lessing, mit meinemGeschwätze. Ich reize Ihren Hypochonder. Und dennoch sollen Siemir »och einen Strauß aushalten, aber nur noch einen. Und dannlasse ich Sie loS. Ich habe Ihnen noch eins und daS andre vomAesovo zu sagen. Nun werden Sie doch wohl wieder gut werden?
1) DaS Cobersche ^poZi-apItum wollte ich anfänglich für Sie erste-hen. ES ging zwar eben nicht sonderlich hoch weg, dennoch aber höher,als es mir werih zn seyn schien. Drum ließ ich cS fahren. HabenSie doch den Inhalt desselben. Es fehlt Ihnen kein Buchstabe davon.
2) Diese Chartcaue enthält nicht Fabeln Acsopi, sondern bloß seinsogenanntes Leben. Daß der Narr Cover nicht auch die Fabeln selbstmit abgeschrieben hat, die doch auch in eben demselben Codice standen,daS kann ich wahrhaftig nicht begreifen. Der Pinsel mußte doch sicheinbilden, an den Fabeln wäre weniger gelegen, als an dem platten grie-chischen Eulcnspicgel. Doch begnügen Sie sich, mein lieber Lessing ,indessen mit diesem Vorschmacke, Auf daS Frühstück soll hoffentlichdie Mahlzeit selbst bald nachfolgen. Wir wollen Rath schaffen. Mitnächsten will ich an den Herrn von Oefelc schreiben. Der soll mir dent^oclioein !» natura schicken. Doch ich wette drum, es werden auchda eben dieselben Fabeln stehn, die Sie schon aus dem AugSburgischcnCodice haben. Indessen könnte doch wohl diese bayerische Abschriftder AugSburgischcn in manchen Stellen zu Hülfe kommen. Z) Diesevila ^elopi ist an sich eine Schnurpfeife, eine elende Kurzweile fürHanshagel, und in dessen Mundart überall platt, überall abgeschmackt,bisweilen aber auch vollends so zoticlich, daß ich Sie, werthester Freund,bitten muß, eS ja keiner Christenscele wissen zu lassen, daß meine Fraudurch ihre Feder solchem Gchaksche in die Welt geholfen hat. Dennich und sie würden dafür errötyen müssen. Doch es sind griechischeZoten. Die hält man einem Frauenzimmer zu gute. Die Fremdheitund die Miene der Gelahrheit überschattet da§ Häßliche. Konnte derehrliche fromme Pater Montfaucon cS wagen, seiner Kutte unbeschadet,die Ausgabe dieses saftigen Dingelchens zu versprechen, wiewohl cSnur beym Versprechen geblieben ist, so dürfen wir dreve doch wohl