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Gotthold Ephraim Lessings sämmtliche Schriften
Entstehung
Seite
449
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Briefe an Lessing . 1773.

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im Grunde ist doch wohl Aesop und Joseph (oder Isup wie cS dieAlten auSsvrachcn) eine und dieselbe Person. Schützen Sie mir janicht die Gcnesin vor. Ich weiß womit ich die anscheinende Starkedieses Arguments entkräften kann und soll. Lesen Sie diese neue vi-tam ^vlnin durch/ sagen mir hernach, ob Ihnen nicht dünkt, daßAcsopuS und Joseph wahrscheinlicher Weise zwey verschiedene Nameneiner Person sind, so wie os^o-o-t^ Ulysses und Eule (un,Ie Eulen-spiegel oder Eulcns LcbenSlauf) drey verschiedene Namen von einemund ebendemselben Rübcnzahl sind. Bey Gelegenheit des Rübenzahlsdarf ich Ihnen wohl meine Gedanken von der Ableitung dieses Na-mens mittheilen? Der Name heißt nichts anders, als Rübenjageloder Rübenschwanz. Er ist also der Mann, der anstatt eines Schwan-zes, eine Rübe an dem Orte stecken hat, wo man drauf sitzt. Somalcte man ehedem den Teufel, oder wie unsere Voreltern ihn nann-ten, den Schurken. Keine größere Schande konnte einem ehedem an-gethan werden, als wenn man ihm eine große dicke Rübe vor allemVolke auf dem Markte ins Gesäße einbohrte. Das hieß h^^öo-uvund h«z-«vlöÄ?l?. So wurden die Ehebrecher bestraft, die man auffrischer That ertappet hatte. Doch ich fange an zu zotteln, wie unsergriechischer Eulenspiegelschreiber, und ermüde Sie, werther Freund. Neh-men Sie mir meine Laune nicht übel. Fahren Sie fort, uns zu lieben.Gott gebe Ihnen lauter heitere Tage und vertreibe alle Wolken desMißvergnügens. Er stärke Sie zu Fortsetzung Ihres Unternehmens(der Beyträge) und zu Ausführung Ihres Aesovi. Leben Sie rechtwohl- Ich verharre >c.

D. ReiSke.

Berlin , den 20. März 1773.

Liebster Bruder,

Da siehst Du nun an mir, daß auch die Saalbader lange stilleschweigen können. Ich wundere mich selbst darüber. Aber wer ein-mal ein Uebel auf dem Halse hat (ich meyne mein Geschwätz), derglaube ja nicht, daß unterbrechen, aufhören ist.

Freylich werde ich Dir über Eberhards Apologie nichts mehr schrei-ben. Eberhard und MoscS wollen cS selbst thun. Daß cS von Mo-ses noch nicht geschehen, daran ist seine schwächliche Gesundheit Schuld.Den ganzen Winter hat er nichts thun können als zeichnen. Alle Be-schäftigungen mit der geringsten Anstrengung behagen ihm nicht nurnicht, sondern machen ihn auch wirklich krank; übrigens befindet erLeslmgS Wette xm, 23